Die Samtgemeinde Heemsen dankt Hans-Jürgen Sonnenberg für seine Dokumentation über die vor 
gut einem Jahr feierlich eröffnete Gedenkstätte Heemsen. 740 sowjetische Kriegsgefangene fanden 
dort am Ende des Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte. Hagebölling

Die Samtgemeinde Heemsen dankt Hans-Jürgen Sonnenberg für seine Dokumentation über die vor gut einem Jahr feierlich eröffnete Gedenkstätte Heemsen. 740 sowjetische Kriegsgefangene fanden dort am Ende des Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte. Hagebölling

Heemsen 01.12.2018 Von Die Harke

Zu Ehren der 740 toten Kriegsgefangenen

Dokumentation von Hans-Jürgen Sonnenberg über die Gedenkstätte Heemsen im Rathaus erhältlich

Bereits 1940 gab es in Heemsen am Tannenweg ein Lager für Kriegsgefangene. Anfangs waren dort französische und belgische Gefangene untergebracht, die in der Landwirtschaft in der Umgebung eingesetzt waren. Im Oktober 1942 folgten dann für etwa sechs Monate über 400 korsische Offiziere. Im Verlauf des Krieges nahmen unter den sowjetischen Kriegsgefangenen Tuberkuloseerkrankungen immer mehr zu. Wegen der großen Ansteckungsgefahr wurden für tbc-kranke Gefangene spezielle Lager eingerichtet. So wurde das ehemalige Arbeitskommando in Heemsen ab März 1944 in ein Lagerlazarett für 500 tbc-kranke sowjetische Kriegsgefangene aus dem Wehrkreis X (Schleswig-Holstein und etwa Nord-Niedersachsen) umgewandelt. Nördlich des Lagers wurde ein Gräberfeld angelegt, später im Volksmund „Russenfriedhof“ genannt.

Nach dem Krieg wurde in Zusammenarbeit mit dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ eine Kriegsgräberstätte angelegt und von der Gemeinde Heemsen gepflegt. Vor einigen Jahren kam Wunsch auf, die Kriegsgräberstätte neu zu gestalten, um sie damit auf der einen Seite für Besucher attraktiver herzurichten und auf der anderen Seite dazu beizutragen, den hier begrabenen Menschen ihren Namen wiederzugeben.

Die Möglichkeit, dieses Thema neu aufzugreifen, hatte sich ergeben, da die Archive in Russland geöffnet und somit Auswertungen ermöglicht wurden. Ein Arbeitskreis hat dieses Vorhaben von Anfang an begleitet. Hans-Jürgen Sonnenberg, der sich schon seit vielen Jahren mit der Geschichte der Kriegsgefangen aus den großen Lagern in Nienburg beschäftigt, wurde gebeten, die Namen der beerdigten Gefangenen herauszufinden.

In etwa acht Jahren akribischer Sucharbeit konnten alle 740 Namen der auf dem „Russenfriedhof“ beerdigten sowjetischen Kriegsgefangenen ermittelt werden.

Die Gemeinde Heemsen ließ im Jahre 2017 dort eine neue Gedenkstätte errichten. Aus dem sogenannten Russenfriedhof wurde eine ehrwürdige Gedenkstätte in Form eines Nachbaus einer verfallenen Baracke, in der auf Stelen die Namenstafeln der dort beerdigten Gefangenen angebracht sind. Die Geschichte, das Schicksal eines Gefangenen und Zeitzeugenberichte werden auf Schautafeln präsentiert.

Ein Jahr nach der offiziellen Einweihung der Gedenkstätte am Volkstrauertag 2017 präsentiert die Samtgemeinde Heemsen jetzt eine von Hans-Jürgen Sonnenberg zusammengestellte Dokumentation über die Geschichte und Hintergründe des Lagers und des Gräberfeldes.

Die Broschüre beinhaltet neben einer umfangreichen Historie auch Originaldokumente, Bilder und Kartenausschnitte. Ziel der Dokumentation ist, die Geschichte der Gedenkstätte Heemsen für die nachfolgenden Generationen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie soll einen Beitrag leisten zur Völkerverständigung, Beseitigung von Vorurteilen und ein Zusammenwachsen unterschiedlicher Nationen fördern. Interessenten können die Broschüre gegen eine Spende für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Rathaus in Rohrsen bekommen.

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Erstellt:
1. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 24sec

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