Diese Bilder sind in der Loccumer Kirche nur zwischen Karfreitag und Ostersonntag zu sehen. Foto: Kirchengemeinde Loccum

Diese Bilder sind in der Loccumer Kirche nur zwischen Karfreitag und Ostersonntag zu sehen. Foto: Kirchengemeinde Loccum

Loccum 26.04.2020 Von Die Harke

Zu sich selbst kommen

Bildergruß: Heute aus der Stiftskirche Loccum von Joachim Diestelkamp

Nur zwischen Karfreitag und Ostersonntag werden die Altarflügel in Loccum zugeklappt und die Bilder der Rückseite sind zu sehen. Eins zeigt den Propheten Jona.

Ein riesiger Fisch spuckt ihn gerade an Land. Gott hatte Jona den Auftrag gegeben, in der Stadt Ninive – wir sehen sie im Hintergrund – eine Bußpredigt zu halten. Dort wurden die Gebote Gottes mit Füßen getreten, die Armen wurden ausgebeutet, das Recht gebrochen.

Vielleicht auch die Natur zerstört. Aber Jona fürchtet, für eine kritische Predigt gelyncht zu werden. Deshalb haut er ab, heuert auf einem Schiff an und sucht das Weite. Doch ein Orkan droht das Schiff zu zerfetzen. Die Seeleute waren abergläubisch und wollten Meer und Wind mit einem Menschenopfer besänftigen. Kurzerhand warfen sie Jona über Bord. Doch Gott schickt den großen Fisch, der schluckt Jona.

Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches und betete und betete. „Ich schrie aus dem Rachen des Todes und du hörtest meine Stimme.“

In diesen Wochen umfängt uns solche Angst – und das sogar bei schönstem Sonnenschein. Nicht nur die Angst vor dem Virus, auch die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst, die Miete nicht mehr zahlen zu können, ganz existenzielle Angst ist das. Werde ich nach dem Shutdown mein Leben wieder so führen können wie vorher? Wir beten wieder mehr in diesen Zeiten.

Wird sich die Welt durch die Corona-Erfahrung ändern? „Wir haben gelebt, als würden wir ständig auf der Überholspur fahren“, sagte mir jemand diese Tage. Jetzt ist das Leben völlig ausgebremst. Und so schlimm die Lage für die Kranken, die Ärzte und Pflegenden ist, die Ruhe hat auch etwas Gutes.

Jona jedenfalls kommt im Bauch des Fisches zu sich selbst. Wir auch. Was ist wirklich wichtig im Leben. Wozu lebe ich? Was ist meine Aufgabe? Als der Fisch Jona an Land spuckt, weiß er, was er tun muss.

Er hat keine Angst mehr, geht nach Ninive und hält seine Bußpredigt. Und das Unglaubliche geschieht. Die Leute hören zu, sie tun Buße, sie ändern ihr Leben. Niemand hätte das gedacht, am allerwenigsten Jona selbst.

Das ist mein Traum: dass die Menschheit durch die Corona-Krise lernt. Vor ein paar Wochen hätte niemand von uns gedacht, dass wir freiwillig unser Leben auf das Allernötigste zurückfahren. Vielleicht gelingt es uns, unsere Wirtschaft vorsichtig und langsam wieder hochzufahren und dabei umzubauen. Ökologischer, nachhaltiger. Hin zu einer Wirtschaft des Genug. Genug für alle. Eine Wirtschaft, die unser Globus aushält. Das wäre in der Tat unglaublich. Nichts ist unmöglich dem, der da glaubt. Sagt Jesus.

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Erstellt:
26. April 2020, 14:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

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