11.11.2012

„Zu viele unqualifizierte Äußerungen“

Prof. Dr. Josef Kamphues spricht auf Kreisverbandsversammlung des Landvolks Mittelweser

Nienburg (DH). „Landwirtschaft befindet sich im Fokus der gesellschaftlichen Diskussion“, sagte Landrat Detlev Kohlmeier in seiner Begrüßung. Rund 150 Bauern und Ehrengäste empfing das Landvolk Mittelweser auf seiner Kreisverbandsversammlung im Nienburger „Weserschlößchen“.

Kaum ein Thema werde so intensiv diskutiert, wie die moderne Nutztierhaltung und der Bau neuer Ställe, sagte Kohlmeier. Aufgabe des Landkreises sei die Erteilung verlässlicher Baugenehmigungen. Dass die rechtliche Bewertung nicht immer zu aller Zufriedenheit erfolge, sei unvermeidbar: „Landwirte prägen das Bild in unserem Landkreis. Wir berücksichtigen die Interessen der Landwirte bei der Entwicklung des ländlichen Raums.“

Die Vorsitzenden Dr. Hans-Christian Hanisch und Tobias Göckeritz, die seit zehn Jahren gemeinsam die Geschicke des Kreisverbandes lenken, gaben anschließend einen Ausblick und Rückblick auf Verbandstätigkeiten und Entwicklungen in der Agrarpolitik. Harsche Kritik äußerten sie am politisch verursachten Strukturwandel, an der diskutierten Beschneidung des privilegierten Baurechts im Außenbereich durch Verhinderungsplanung einiger Kommunen (Baufenster) und an der Vorveröffentlichung eines Entwurfes zu Abluftreinigung der Niedersächsischen Landesregierung: „67 Prozent der Umsätze der Landwirte in unserem Verbandsgebiet wird durch Nutztierhaltung erzielt“, sagt Hanisch. „Umso schlimmer ist es da, dass wir ständig Tiere verlieren, allein 2012 werden nach einer aktuellen Umfrage der Veterinärämter ein Drittel aller Sauenhalter im Landkreis Nienburg die Sauenhaltung aufgeben.

Mit den Herausforderungen an die Nutztierhaltung beschäftigte sich dann auch Prof. Dr. Josef Kamphues von der Tierärztlichen Hochschule Hannover in seinem Gastvortrag. Auf die Eberkastration könne man leichter verzichten, als andere Forderungen umzusetzen seien, sagte er. In Versuchen der Tierärztlichen Hochschule mit der Eberhaltung zeigten sich die männlichen Schweine überraschend ruhig. Problem sei nach wie vor das Fleisch mit Ebergeruch. „Die zwei bis drei Prozent Stinker müsse dem Bauern dann jemand bezahlen.“ Gehörig ärgerte sich Kamphues über die aktuelle Antibiotikadebatte: „Heute äußert sich jeder Ahnungslose unqualifiziert zu diesem Thema!“ er würde sich schließlich auch nicht einmischen, wenn es darum ginge die Haltungsbedingungen von Schlangen zu verbessern.

Für 20 Jahre im Ehrenamt für die Landwirtschaft ehrten die Teilnehmer Johann Lüers (Schnepke), Heinz-Jürgen Bolte (Syke), Johann Hüneke (Dibbersen), Wolfgang Gerling (Nordel), Heinrich Höltje (Haßbergen) und Friedrich-Wilhelm Helms (Anemolter). Sie erhielten die silberne Ehrennadel.

Ein besonderer Dank galt Friedrich Andermann (Steimbke), der sich nach 38 Jahren im Vorstand des Landvolks verabschiedete.

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Erstellt:
11. November 2012, 00:00 Uhr
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