Die weißen Bauern protestieren gegen ihren unfähigen König. PR-AG des Gymnasiums Stolzenau

Die weißen Bauern protestieren gegen ihren unfähigen König. PR-AG des Gymnasiums Stolzenau

Stolzenau 20.02.2018 Von Die Harke

Zug um Zug zum Erfolg

Gelebte Inklusion: Neues Musical „Schach 2.0“ von Gymnasium und Helen-Keller-Schule Stolzenau begeistert

Schon Shakespeares „Romeo und Julia“ haben versucht, gegen die Widerstände der lang etablierten Feindschaft ihrer Häuser ihren eigenen Weg zu gehen – und sind gescheitert. Einen glücklicheren Ausgang nimmt das Schicksal der Helden des Musicals „Schach 2.0“ aus der Feder von Andreas Schmittberger, das unter großem Beifall am Sonntag im Forum des [DATENBANK=182]Gymnasiums Stolzenau[/DATENBANK] von den Schülern der Musicalklassen 5b und 6b sowie der S1 der [DATENBANK=317]Helen-Keller-Schule[/DATENBANK] erfolgreich aufgeführt wurde. Ihr Weg dahin ist aber nicht minder beschwerlich als der Romeos und Julias. Im Land der Weißen ist die Stimmung angespannt. Die weißen Bauern (engagiert: Eske Sophia Meyer, Nadja Boz, Benito Meyer, Andreas Sprincean, Ramy El-Sohbi) protestieren offen gegen die unterdrückenden Zustände in ihrem Land. Als dann auch noch durch ein Missverständnis an der Grenze zum Land der Schwarzen ein Streit mit den schwarzen Bauern (perfektes Gegenstück: Mika Fischer, Emily Bunk, Rouven Sander, Ann-Kathrin Reichhold, Liam Kneißl) eskaliert, scheint ein Krieg unabwendbar.

Der weiße König, dessen Unfähigkeit Jonathan Schwiering mit viel Witz herausarbeitete, ist mit der Situation überfordert. Auch sein Hofstaat aus Läufern (sportlich: Mathilde Lampe, Lisabeth Witte), Pferden (tierisch: Esma Arik, Sema Arik) und Dienern (aufmerksam: Nicole Scheck, Dennis Bagari, Leona Just) ist keine Hilfe.

Nur eine hat einen Plan der Situation Herr zu werden: Die weiße Königin, mit überragender Präsenz verkörpert von Francys-Joy Oesterhaus. Die Ehefrau des weißen Königs, die sich als eigentliche Herrscherin über das bedrohte Reich zeigt, meint, mit einer arrangierten Hochzeit zwischen ihrer Tochter und dem Prinzen der Schwarzen könne der Frieden erkauft werden. Dabei hat sie aber die Rechnung ohne ihre bis dato lethargische und konsumsüchtige Tochter Luna gemacht, die von Laura Mues, anfangs in einem gewaltigen Fatsuit spielend, überzeugend porträtiert wurde.

Die verwöhnte Prinzessin, die eigentlich von der großen Liebe träumt, wagt mit ihrer Amme (fürsorglich: Thea Graue) die Flucht. Was sie nicht weiß: Auch der für sie ausersehene schwarze Prinz Zero, dessen rebellische Seite Tom Artem Hodann gut herausarbeitete, will sich seinem Schicksal nicht fügen und flieht zusammen mit seinem Freund Valerio (liebenswert: Niklas Humke). Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden Flüchtigen treffen aufeinander und verlieben sich, ohne zu wissen, wer der jeweils andere ist. Gleichzeitig werden sie von den weißen Türmen (stark aufspielend: Svea Bödeker, Victoria Sieben) der weißen Königin gefasst.

Unter der Regie von Elisabeth Fritsch und Willem-Alexander Rode ließen die jungen Darsteller das Publikum atemlos um ihr Schicksal bangen und beeindruckten mit ihren sängerischen und darstellerischen Fähigkeiten. Bei den vielen anspruchsvollen Liedern, die unter der musikalischen Leitung von Mareike Imming und Christiane Sprick einstudiert wurden, wurden sie auch vom hervorragenden Chor der Helen-Keller-Schule unterstützt. Die Band, bestehend aus Mathias Goedecke (Piano), Sam Känner (Percussion), Sophia Wilkening und Greta Dohrmann (beide Saxophon), begleitete den Gesang professionell. Währenddessen hatte die Technik-AG des Gymnasiums (Leitung: Christiane Sprick) alle Hände voll zu tun, um mit Licht- und Tontechnik die richtige Atmosphäre zu schaffen und die Sing- und Sprechstimmen zu verstärken.

Das anspruchsvolle Stück wirkte letztlich auch durch die Kostüme, die mit viel Bedacht eingesetzte Maske (Elisabeth Fritsch) und die clevere Kulisse sowie die wirkungsvollen Requisiten (Simone Bollhorst, Silke Corus, Madlen Behnke). Nicht zuletzt gebührt dem Förderverein des Gymnasiums Stolzenau wie immer großer Dank, ohne dessen finanzielle Unterstützung sich Projekte dieser Größenordnung nicht realisieren ließen.

Dass eine solche Produktion nicht ein frühes Schachmatt erleidet, gelingt nur bei echter Teamarbeit: Dass diese zwischen den Lehrkräften der HKS und des Gymnasiums trotz wechselnder Besetzung – oder um im Fachjargon zu bleiben: Schachfiguren – nun schon viele Jahren reibungslos funktioniert, zeigt erneut das fruchtbare Ergebnis. Die Beteiligten haben sich längst entschieden, die gemeinsame Tradition der jährlichen Musicals weiterzuführen, denn sie sind mit dieser Kooperation, die sie als „gelungenes Beispiel gelebter Inklusion“ sehen, nicht nur sehr erfolgreich, sondern vor allem äußerst zufrieden. Heute findet eine weitere Aufführung von „Schach 2.0“ für Grundschulen statt.

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Erstellt:
20. Februar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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