Die Teilnehmer des Kunstprojektes besuchten auch den von Jugendlichen im Jahr 2007 geschaffenen „Friedensplatz“ auf dem Hof der Schule in Liebenau. Kokshaikin

Die Teilnehmer des Kunstprojektes besuchten auch den von Jugendlichen im Jahr 2007 geschaffenen „Friedensplatz“ auf dem Hof der Schule in Liebenau. Kokshaikin

Liebenau/Stolzenau 26.04.2019 Von Die Harke

Zwangsarbeit thematisiert

Internationales Jugend-Kunstprojekt der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau gestartet

20 Jahre existiert der Verein „Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau. Dieses Jubiläum war der Anlass für ein Kunstprojekt in Liebenau und Stolzenau: 15 Jugendliche aus Gomel (Belarus), Schostka (Ukraine) und der hiesigen Region setzten sich inhaltlich-lernend und künstlerisch-gestaltend mit der Geschichte der NS-Zwangsarbeit in der Pulverfabrik Liebenau auseinander. Neben dem ehemaligen Werk erkundeten sie die entsprechenden Kriegsgräberstätten und acht ehemalige Lagerstandorte, die im Zusammenhang mit der Pulverfabrik Liebenau errichtet worden waren. Vor allem Osteuropäer wurden zu Opfern des NS-Staatsrassismus. Über 2000 Todesopfer der NS-Zwangsarbeit sind im Zusammenhang mit der ehemaligen Pulverfabrik zu beklagen. Hierzu stellte der Geschäftsführer der Dokumentationsstelle, Martin Guse, den Teilnehmern im gesamten Projektverlauf umfangreiches Dokumenten- und Fotomaterial zur Verfügung

Unter Leitung von Martin Guse und Lilia Gavrilenko (Kunstschule Mittelweser) folgten den Tagen der inhaltlich-historischen Informationen die der eigenen Reflektion und künstlerischen Umsetzung durch die 14 bis 18 Jahre alten Teilnehmer.

In kürzester Zeit entwickelten sie in der motivierenden Atmosphäre der Kunstschule eine besondere Ideenvielfalt und Kreativität. Die Begegnung mit den ausländischen Gästen, das integrative Grundkonzept des Projektes, die neuen Informationen zur NS-Geschichte, die Relikte des Werkes, die unterschiedlichen Schicksale, Berichte und Fotografien ehemaliger Zwangsarbeiter hätten sie ganz besonders motiviert, teilten die Künstler bei der Abschlusspräsentation vor Förderern der Projektwoche mit. Ebenso seien sie überrascht gewesen, dass die Betreuer keine engen Vorgaben erteilt hätten, sondern ausdrücklich zur Umsetzung eigener Gedanken und Empfindungen in der künstlerischen Auseinandersetzung animiert hätten.

In den kommenden Monaten werden diese Eindrücke in persönliche Kunstwerke der einzelnen Teilnehmer münden, die sie den Gedenk- und Bildungsstätten in Schostka und Liebenau in entsprechenden Reproduktionen zur Verfügung stellen.

In der jetzigen Begegnungswoche hingegen flossen ihre persönlichen Skizzen und Ideen wie selbstverständlich in die Teamarbeit ein. Und so erläuterte jede Ländergruppe bei der Abschlusspräsentation ihr eigenes Team-Gemälde. In kürzester Zeit waren drei Kunstwerke entstanden, die Bewunderung bei den Gästen und Betreuern hervorriefen. Martin Guse und Lilia Gavrilenko fassten zusammen, was alle dachten: „Diese Ergebnisse und diese Atmosphäre hat in dieser Form niemand erwartet. Wir danken euch allen für eure Kreativität.“ Eine Förderin des Projektes meinte: „Historisch-politische Bildung, Kunst und internationales Miteinander in dieser Form zu kombinieren – besser kann es kaum sein.“

Martin Guse teilte mit, dass die Begegnungswoche als Pilotprojekt anzusehen sei. Mit allen Teilnehmern sei die Fortsetzung – mit Gegenbesuchen in Gomel und Schostka – verabredet worden, erste Förderanträge seien gestellt: „Natürlich werden wir die Kunstwerke schnellstmöglich einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen.“

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Erstellt:
26. April 2019, 13:43 Uhr
Lesedauer:
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