Einfache Rechnung: Fußball + viel Geld = Spielbetrieb, trotz Corona. Foto: Adobe Stock

Einfache Rechnung: Fußball + viel Geld = Spielbetrieb, trotz Corona. Foto: Adobe Stock

Landkreis 10.05.2020 Von Philipp Keßler

Zwei paar Nockenschuhe

„Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten“, sagte einst der legendäre deutsche Fußball-Nationaltrainer Sepp Herberger. Die Faktenlage dieser vielleicht berühmtesten Fußball-Weisheit ist eindeutig: Fußball ist Fußball; egal wo, egal wer, egal wann. Fast 70 Jahre später muss man Herbergers Formulierung um einen Nebensatz ergänzen: „ ...ein Spiel dauert 90 Minuten, wenn genug Geld fließt.“

Dass der Fußball aus zwei ganz unterschiedlichen Paar Nockenschuhen besteht, hat vor allem die Coronakrise einmal mehr deutlich ans Licht gebracht. Die Landesverbände verfolgen völlig unterschiedliche Szenarien, schwanken zwischen Abbruch und Einfrieren – aber eins verbindet alle Amateurligen: Der Spielbetrieb ruht, und das noch einige Zeit.

Völlig anders sieht das Bild in den beiden obersten deutschen Spielklassen aus: Die Bundesligen beenden am Wochenende tatsächlich den Lockdown. Man würde schließlich viele Arbeitsplätze sichern, beteuerte DFL-Chef Christian Seifert seit vielen Wochen in jedes verfügbare Mikro. Er mag damit in weiten Teilen recht haben; viele Vereine mussten Angestellte in Kurzarbeit schicken, viele Profis verzichteten auf Teile ihrer Gehälter.

All die gefährdeten Jobs und von Insolvenz bedrohten Vereine hielten einen Funktionär nicht davon ab, sich mehr als bereitwillig an den medialen Pranger zu stellen: FC Bayern-Sportchef Hasan Salihamidzic verkündete, im Sommer „Toptalente“ verpflichten zu wollen und weitere teure Transfers zu tätigen. Zu Recht fliegt ihm damit nun das Image der Millionengehälter, Privatjets und Goldsteaks um die Ohren.

Das Land in schwerer Rezession – die Bayern im Kaufrausch. Aua!

Immerhin mit gutem Willen, aber ebenfalls weit entfernt von der Realität der Basis zeigte sich Zweitliga-Stürmer Simon Zoller. Mit einer Trikotspendenaktion sammelt er derzeit für den Amateurfußball und verkündete stolz, bereits 15.000 Euro zusammen zu haben.

Er klang dabei allerdings, als könne er mit dieser Summe alle Kreisliga- und -klasse-Mannschaften der gesamten Nation retten. Wer sein Ohr an der Basis hat, der weiß, dass die 15 „Riesen“ jedoch maximal für eine Handvoll Jugendteams gereicht hätten. Auch wenn überall der Ball rund ist und ein Spiel 90 Minuten dauert, Profis und Amateure sind heute zwei unterschiedliche Paar Nockenschuhe.

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Erstellt:
10. Mai 2020, 18:10 Uhr
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