Zwei richtige Rückzieher

Zwei richtige Rückzieher

Fehler korrigiert, trotzdem Vertrauen verspielt: Kanzlerin Merkel. Foto: dpa

Es war richtig, dass die Nienburger SPD-Stadtratsfraktion Rüdiger Altmann als Kandidaten für den Aufsichtsrat der städtischen Bädergesellschaft zurückgezogen hat. Und es ehrt die Sozialdemokraten, dass sie in Person von Klaas Warnecke klipp und klar sagen, dass es ein Fehler gewesen ist, Altmann als Nachfolger seiner Frau Anja zu nominieren.

Auch der zweite viel diskutierte Rückzieher ist richtig: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den überraschenden Oster-Lockdown gestoppt. Allerdings ehrt sie diese Korrektur einer Fehlentscheidung nicht.

Was bedenklich stimmt, dass in beiden Fällen der Kompass für das, was gemeinhin als „gesunder Menschenverstand“ bezeichnet wird, verlorengegangen zu sein scheint.

Die SPD-Ratsfraktion hat offenbar nicht im Traum daran gedacht, dass sich irgendjemand daran stoßen könnte, wenn der Eindruck erweckt wird, dass ein Aufsichtsratsposten innerhalb einer Familie „weitervererbt“ wird.

Und die Verantwortlichen des Oster-Lockdowns haben offenbar nicht im Traum an die Auswirkungen ihrer nächtlichen Entscheidung gedacht: Wie kann man ohne Vorwarnung – und vor allem ohne Konzept – eine komplette Volkswirtschaft am Gründonnerstag und Ostersamstag herunterfahren wollen? Und welchen epedemiologischen Sinn macht ein Lockdown mit einer Shopping-Unterbrechung?

So richtig die Absage des Blitz-Lockdwons ist, so verheerend ist dieses Hin und Her der politisch Verantwortlichen: Mehr kann man sich nicht blamieren, mehr Vertrauen kann man nicht verspielen.