Die „Schukis“ Annika, Emma, Amy, Ben und Keke wollten gerne schon mal wissen, wie es ist, nach den Sommerferien die Schule zu besuchen. Waldkita-Erzieherin Julia Kaiser hatte dafür sogar eine kleine Tafel aufgebaut. Foto: Hagebölling

Die „Schukis“ Annika, Emma, Amy, Ben und Keke wollten gerne schon mal wissen, wie es ist, nach den Sommerferien die Schule zu besuchen. Waldkita-Erzieherin Julia Kaiser hatte dafür sogar eine kleine Tafel aufgebaut. Foto: Hagebölling

Heemsen 13.06.2020 Von Edda Hagebölling

Zwergenhaus gebaut, Asseln beobachtet

Corona verlangt auch den Erzieherinnen in der Waldkita Heemsen so einiges an Improvisationstalent ab

Jeden Tag ein frisches Handtuch, einen feuchten Waschlappen mit ein bisschen Seife in der Tupperdose, nach dem Besuch der Komposttoilette – und auch zwischendurch immer wieder – die Hände waschen: Die Kinder in der Waldkita in Heemsen haben mit Corona kein Problem. Sie genießen – besonders bei dem tollen Wetter der zurückliegenden Wochen – den Aufenthalt im Wald, beobachten Asseln, pflanzen Kartoffeln, bauen ein Schloss für die Tullezwerge und „spielen“ Schule.

Heemsens Waldkindergarten ist eine von kreisweit fünf Einrichtungen dieser Art. Die anderen sind in Rehburg, Steyerberg, Uchte und Rodewald. In Linsburg wird gerade überlegt.

Vor dem Lockdown am 13. März kamen 15 Mädchen und Jungen aus zwölf Familien in die Waldkita, jeweils von 7.30 bis 12.30 Uhr. Im kommenden Kita-Jahr sind aktuell noch drei Plätze frei.

Waldkita-Leiterin Maren Mönch erinnert sich noch gut an das Wochenende im März. „Wir hatten gerade drei Tage in unserem Sturmraum verbracht, ab Montag sollte endlich wieder gutes Wetter sein, doch dann kam Corona“, so die Erzieherin.

Wald von einem auf den anderen Tag verwaist

Während der Wald von einem Tag auf den anderen verwaist war, begann für sie und ihre Kollegin Julia Kaiser – wie auch für alle anderen Erzieherinnen und Erzieher in Stadt und Kreis – die Zeit des Improvisierens. Natürlich wollte man den Kontakt zu Kindern und Eltern halten. Geschichten von den Tulle-Zwergen wurden vorgelesen, aufgenommen und versendet, Lieder gesungen, Briefe geschrieben. Und natürlich gab es an den Geburtstagen immer eine besondere Überraschung. Ein Kita-Laptop mit LTE, Homeoffice und Diensthandys machten‘s möglich.

Die Notgruppe, die etwa vier Wochen nach dem Shutdown eröffnet werden durfte, wurde von nur einem Kind in Anspruch genommen, seit dem 15. Mai sind zusätzlich die fünf „Schukis“ da und damit die Mädchen und Jungen, die nach den Sommerferien eingeschult werden.

Händewaschen an der Waschstation: auch für Waldkita-Kind Annika Ehrensache. Foto: Hagebölling

Händewaschen an der Waschstation: auch für Waldkita-Kind Annika Ehrensache. Foto: Hagebölling

Die angehenden Erstklässler konnten sich drei Themenbereiche aussuchen. Entschieden haben sie sich für Bienen, Hummeln und Hornissen, Kartoffeln pflanzen und Schule. Weil natürlich schon alle einen Ranzen haben, gab es auch einen Ranzentag. „Die Schukis können schon so viel“, stellten Maren Mönch und Kollegin Julia Kaiser ziemlich schnell fest.

Die Waldkita-Kinder genießen die Zeit im Wald, sind aber auch gerne zuhause. „Viele Familien werden gestärkt aus der Corona-Zeit hervorgehen“, ist Maren Mönch überzeugt. „Ihnen war vom ersten Tag an klar, dass in erster Linie sie selbst für die Gesundheit ihrer Kinder verantwortlich sind. Sie empfinden die zurückliegenden Wochen trotz aller Anstrengung als geschenkte Zeit“, so die Kita-Leiterin.

Darauf, wie es im Wald weitergeht, wenn ab dem 22. Juni der eingeschränkte Regelbetrieb greift und theoretisch alle Kinder wieder kommen dürfen, ist Maren Mönch gespannt. Die Vorgaben, die peinlich genau befolgt werden müssen, kommen vom Land Niedersachsen.

Dabei war es überhaupt nicht selbstverständlich, dass die Waldkita überhaupt wieder öffnen durfte. Wer geglaubt hat, dass der Kindergarten-Alltag unter freiem Himmel und noch dazu bei dem tollen Wetter deutlich unkritischer zu sehen sein dürfte, als das Leben in der Hauskita, wurde eines besseren belehrt. „Wir haben total strenge Hygienevorschriften“, so Maren Mönch. „Es gibt auch Waldkitas, die geschlossen bleiben mussten.“ Aber das Hygienekonzept der Waldkita Heemsen hat den Landkreis offenbar überzeugt. Die Komposttoilette wird von den Erzieherinnen desinfiziert, sobald sie von einem Kind genutzt wurde, Händewaschen an der Waschstation ist Ehrensache, die kleinen Baumstämme, die als Sitzgelegenheit um den dicken Stamm herumstehen, wurden weiter auseinandergerückt, der dicke Stamm hat eine abwaschbare Tischdecke bekommen.

An Wertschätzung mangelt es nicht

Einmal in der Woche treffen sich die Erzieherinnen aus der Samtgemeinde Heemsen mit der Spitze der Verwaltung zum Erfahrungsaustausch in der Corona gerechten Alten Schule in Rohrsen. Und um die Umsetzung immer wieder neuer Vorgaben zu besprechen.

Unterstützt werden Maren Mönch und Julia Kaiser bei ihrer Arbeit mit den Schukis außerdem von Simone Käse. Die Sprachfördererin, die normalerweise von Einrichtung zu Einrichtung fährt, berät jetzt aus dem Homeoffice.

Und auch an Wertschätzung mangelt es nicht. Die Eltern überraschen die Erzieherinnen immer mal wieder mit einem kleinen Dankeschön, und auch der Förderverein hat den Erzieherinnen aus Hauskita, Waldkita und Krippe unlängst Gutscheine fürs Eistaxi zukommen lassen. Diese sollen voraussichtlich am 17. Juli, und damit an dem Tag, an dem die Kitas in der Samtgemeinde für drei Wochen schließen, gemeinsam mit den anderen Erzieherinnen eingelöst werden.

Weitere Infos unter www.waldkindergarten-heemsen.de

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Erstellt:
13. Juni 2020, 17:45 Uhr
Lesedauer:
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