ChatGPT, Insta und Tiktok

Die Suche der Zukunft: Wer ist besser als Google?

Wo gibt es die besten Ergebnisse?

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Natürlich bleibt Google die Nummer eins der Suchmaschinen. Laut Zahlen des Marktforschungs­dienstes Statista ist der Anteil gegenüber der Konkurrenz zuletzt gefallen, aber langsam. Im Dezember lag er bei 84 Prozent.

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Das klingt mächtig, aber es könnte trügen. Wer macht Google Konkurrenz? Das hängt vom Suchthema ab. Der Konzern verweist in seiner Selbst­darstellung darauf, dass Amazon bei der Produktsuche als führend gelte. Prabhakar Raghavan, Chef der Knowledge-&-Information-Sparte bei Google, hat das Publikum auf einer Konferenz des „Fortune“-Magazins mit einer anderen Zahl überrascht: Fast 40 Prozent der US-Nutzer und ‑Nutzerinnen zwischen 18 und 24 Jahren würden einen Imbiss in ihrer Nähe bei „Tiktok oder Instagram“ suchen statt mit Google-Diensten. Die betreffende Studie ist bisher nicht veröffentlicht worden.

Hinzu kommt die Möglichkeit, einen Chatbot nach Antworten zu fragen. Neu ist die Technologie nicht, eines der populärsten Beispiele ist das Programm Eliza aus dem Jahr 1966. Für viel Aufsehen hat zuletzt aber Elizas Urenkel ChatGPT gesorgt. Das Programm der Firma OpenAI ist so leistungsfähig, dass es ganze Aufsätze zu Wunschfragen verfassen kann. Kultus­ministerien in Deutschland haben angekündigt, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

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Die Technologie­seite „The Information“ hat berichtet, dass ChatGPT bald auch in der ersten Suchmaschine stecken werde. Microsoft wolle seinen abgeschlagenen Google-Konkurrenten Bing vielleicht noch bis Ende März mit der künstlichen Intelligenz von ChatGPT aufwerten. Der Dienst könnte dann eloquent formulierte Antworten geben, statt ein paar Links zu zeigen. Tatsächlich haben Microsoft und OpenAI gerade erst eine mehrjährige Partnerschaft bekannt gegeben, verbunden mit Investitionen in Milliardenhöhe.

Zeit für einen Test

Wer die Suchmaschinen beurteilen will, kann sie selbst testen. Wir haben sechs Suchanfragen formuliert, die verschiedene Themenbereiche, Interessen- und Altersgruppen abdecken:

  • Wo finde ich eine gute Pizzeria in Dresden-Neustadt, die um 16 Uhr schon geöffnet hat?
  • Beschreibe mir den Fußweg vom Berliner Reichstag zum Berliner Hauptbahnhof.
  • Sind Ufos echt?
  • Was ist der längste Dino aller Zeiten?
  • Was ist so besonders an Marie Curie?
  • Ich möchte einen neuen Pulli kaufen. Was ist gerade im Trend?

Diese Fragen haben wir an Google, an Instagram, Tiktok und ChatGPT gestellt

Google punktet mit Maps

Dank Google Maps ist der Gigant unter den Suchmaschinen für Fragen nach Pizza oder einer Weg­beschreibung gut vorbereitet. Das Ergebnis wird übersichtlich präsentiert, mit interaktivem Karten­ausschnitt und Filter­möglichkeiten. Bei Sachfragen wird es dagegen spannend. Auf den Punkt passt die fett hervorgehobene Info zu Marie Curie, die sich Google von der Uni Münster leiht: „Marie Curie war physikalisch-chemische Grundlagen­forscherin und die Begründerin der Radiochemie.“

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Bei der Frage nach den Ufos hilft Google dagegen nur ein wenig weiter. Es gibt einen wilden Artikelmix zum Thema; Quellen werden nicht erkennbar gewichtet oder sortiert. Bei der Frage nach Dinosauriern ist es ähnlich: Hier müssen mündige Menschen die Informationen selbst sortieren und einordnen. Die Frage nach dem Pulli bringt Antworten, aber keinen schnellen Überblick. Offenbar wahllos werden Stichpunkt­artikel zusammengestellt.

Instagram und Tiktok bieten schnelle Infos und Mode

Das eine ist ein soziales Netzwerk mit Fokus auf Fotos, das andere ein schneller Videodienst. Wer auf Instagram und Tiktok suchen will, der sucht eher einzelne Wörter als ganze Sätze. Bestimmte Sachfragen wirken hier völlig fehl am Platz und würden wohl auch von jungen Menschen auch nicht hier gesucht: Fragen nach Wegbeschreibungen bleiben etwa ergebnislos.

Wer in einer Metropole lebt, könnte hier aber durchaus etwas zu essen finden. Pizzerien aus Dresden-Neustadt werden nicht gefunden, aber mehr als ein Vorschlag aus Berlin mischt sich unter die Ergebnisse. Zu Sachfragen hat vor allem Tiktok viele, ansprechend präsentierte Antworten. Bei Ufos mischen sich allerdings offensichtliche Fälschungen mit den Veröffentlichungen des Pentagon. Nach dem längsten Dino oder Marie Curie können Menschen mit Englisch­kenntnissen hier aber sehr wohl suchen und bekommen ansprechende Kurz­präsentationen serviert.

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Instagram ist in einer Disziplin weit überlegen: Modetrends sind in den Bildkacheln sofort erkennbar. Zum tatsächlichen Einkaufen mag sich die Plattform schlechter eignen, aber Inspiration gibt es hier besonders schnell.

ChatGPT verplappert sich

Auf den ersten Blick wirkt ChatGPT tatsächlich wie ein Quanten­sprung für die Internetsuche. Wer es noch nicht probiert hat, kann den Dienst einfach befragen, auch auf Deutsch. Manchen Anfragen verweigert sich der Dienst; Pizzerien oder Pullover will er nicht empfehlen, weil er nur Informationen bis zum Jahr 2021 besitze. Doch die Antworten auf Sachfragen wirken kenntnis­reich, über mehrere Absätze sauber formuliert und gut zusammen­gefasst.

Doch mit seiner Eloquenz verbirgt der Dienst auch eine große Unzuverlässigkeit. Die Frage nach dem längsten Dino passt zu aktuellen Forschungs­ergebnissen: „Der längste Dino aller Zeiten ist wahrscheinlich Argentinosaurus“, berichtet ChatGPT, fantasiert dann aber von „110 bis 120 Metern“ Körperlänge. Weist man den Dienst darauf hin, dass höchstens 35 bis 40 Meter geschätzt wurden, antwortet er lapidar: „Sie haben vollkommen recht, mein Fehler.“ Korrigiert wird der Fehler auch in neuen Anfragen nicht. In den Spontanartikeln zu Ufos und zu Marie Curie haben wir zwar keine Fehler entdeckt, aber die große Unsicherheit bleibt.

Fazit: Keine klaren Sieger

Geht es um den schnellsten Weg zur populärsten Quelle oder um Informationen mit Kartenbezug, bleibt Google laut unseren wenigen Beispielen der klare Favorit. Visuell ansprechende, schneller verständliche Informationen haben wir aber durchaus auf Instagram und Tiktok gefunden. Dass die Quellen in diesen Netzwerken sehr unterschiedlich seriös sind, ist auch bei Google ein Problem.

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ChatGPT hat dann noch einmal verdeutlicht, dass Menschen immer mehrere Quellen brauchen, um zuverlässig informiert zu werden. Manche Fachleute halten Falsch­antworten des Chatbots für eine Kinder­krankheit, die in späteren Versionen ausgebügelt werden könne. Andere urteilen, dass die Systeme in absehbarer Zeit „niemals verlässlich“ sein könnten.

Zumindest für die Gegenwart ist ChatGPT also kein vollwertiger Suchersatz. Aber offensichtlich lohnt es sich, nicht nur bei Google zu suchen.

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