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Exorbitante Gewinne für Ölmultis: Und was bleibt für die Verbraucher?

Ein Pumpe arbeitet in einem Ölfeld. Ölkonzerne wie Exxon, BP und Shell stehen in Zeiten der Energiekrise unter anderem wegen ihrer Mega-Profite unter Druck.

Ein Pumpe arbeitet in einem Ölfeld. Ölkonzerne wie Exxon, BP und Shell stehen in Zeiten der Energiekrise unter anderem wegen ihrer Mega-Profite unter Druck.

Liebe Leserinnen und Leser,

geht es Ihnen so wie mir? Zwar fällt die Fahrt zur Tankstelle dieser Tage wieder ein wenig leichter. Die Zeiten exorbitanter Spritpreise scheinen vorbei. Und auch die Lage auf dem Gasmarkt entspannt sich offenbar. Zumindest ließ mich das Infoschreiben meines Gasversorgers über meine monatlichen Abschlagszahlungen halbwegs erleichtert aufatmen. Ganz so schlimm, wie noch Ende vergangenes Jahres befürchtet, kam es dann doch nicht.

Und dennoch bleibt ein extrem bitterer Beigeschmack zurück: Vor allem bei Schlagzeilen wie dieser hier schnürt sich mir, zugegebenermaßen, die Kehle zu: „Krisenprofiteur ‚Big Oil‘: Warum BP, Shell und Co. im Geld schwimmen“. Während die Verbraucherinnen und Verbraucher, also wir, unter den extremen Preissteigerungen für Benzin, Diesel, Gas und Öl und der allgemeinen Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Preisentwicklung leiden, stecken sich die „Big Five“ der Gas- und Ölindustrie die Taschen voll.

Rekorderlöse in der Klimakrise

Die „Big Five“, das sind Shell und BP in Großbritannien, Exxon Mobil und Chevron in den USA und Total Energies in Frankreich. Dank der infolge des Krieges in der Ukraine drastisch gestiegenen Öl- und Gaspreise fuhren die Großkonzerne im vergangenen Jahr immense Gewinne ein. Insgesamt, schätzen Expertinnen und Experten, sollen es an die 200 Milliarden Dollar sein.

Dass diese Rekorderlöse ausgerechnet vor dem Hintergrund von Klimakrise und massiven Anstrengungen, die Verkehrswende möglichst schnell voranzutreiben, erzielt werden, ist zynisch. Dazu passt, dass BP angekündigt hat, die geplante Umstellung des Konzerns auf erneuerbare Energien zu verlangsamen, wie meine Kollegin Alisha Mendgen und die Kollegen Frank-Thomas Wenzel und Jan Emendörfer schreiben. Statt die Gewinne großzügig an dieser Stelle zu investieren und die Energiewende voranzutreiben, will BP – wie auch die anderen Multis – Dividenden und Aktienrückkäufe hochfahren. Gut für die Aktionärinnen und Aktionäre, das Nachsehen haben die Verbraucherinnen und Verbraucher.

49-Euro-Ticket, doch nicht der große Wurf?

Ähnlich ernüchternd fallen übrigens auch die Prognosen im Hinblick auf das 49-Euro-Ticket und dessen Bedeutung für den Klimawandel aus. Ab 1. Mai soll es erhältlich sein, wird wohl aber kaum an den Erfolg des 9-Euro-Tickets anknüpfen können. Das zeichnet sich jetzt schon ab. Der Hauptgrund dafür ist offenbar der Preis, wie meine Kollegin Laura Beigel schreibt. Vor allem Gelegenheits- und Impulskäuferinnen und -käufer würden eher auf einen Kauf verzichten.

Wie sehr das Deutschlandticket langfristig dem Klima hilft, ist unklar. „Wir gehen nicht davon aus, dass diese Maßnahme alleine beträchtliche Mengen an CO₂ verringert“, sagt etwa Verhaltensforscher Mark Andor vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Nun aber genug der betrüblichen Nachrichten. Es fällt dieser Tage tatsächlich schwer, positive Schlagzeilen auszugraben – bis auf diese vielleicht: Erstmals sind die Azubigehälter hierzulande über alle Lehrjahre im Schnitt über 1000 Euro gestiegen. Natürlich gibt es aber auch hier ein Aber. Welches? Das können Sie am Ende dieses Newsletters nachlesen.

Sie haben Anmerkungen und Fragen? Schreiben Sie uns gern an unbezahlbar@rnd.de!

Ihre

Carolin Burchardt

 

Tipp der Woche

Ist es wirklich günstiger, das Nudelwasser vorm Kochen im Wasserkocher zu erhitzen? Diese Empfehlung zumindest hält sich hartnäckig. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Laut Verbrauchermagazin „Ökotest“ wird beim Erhitzen von Wasser zum weiteren Kochen ein dreifacher Verlust erzielt.

Mindestens 1000 Watt sollten Wasserkocher haben.

Mindestens 1000 Watt sollten Wasserkocher haben.

Wieso gleich dreifach? Wer Wasser in einem Wasserkocher erhitzt, wärmt zwangsläufig auch den Wasserkocher mit auf – Energieverlust Nummer eins. Wenn das heiße Wasser dann auf den kalten Topf trifft, findet Energieverlust Nummer zwei statt. Und: Beim Umgießen verliert man ebenfalls Energie. Laut „Ökotest“ spart es höchstens ein wenig Zeit, das Wasser vorher im Wasserkocher zu erhitzen – aber weder Energie noch Geld.

Wann und zu welchem Zweck sich der Einsatz des Wasserkochers tatsächlich lohnt, etwa für das Erwärmen von Teewasser, hat meine Kollegin Heidi Becker aufgeschrieben.

 

Zahlen, bitte!

30 Milliarden Euro will Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) in den kommenden Jahren für die Verbreiterung von Autobahnen und den Ausbau von Knotenpunkten ausgeben, wie mein Kollege Frank-Thomas Wenzel schreibt. Das geht aus einer Analyse der Umweltorganisation BUND hervor, die Wissings Vorhaben massiv kritisiert.

Alleine durch den Ausbau und den nachfolgenden Betrieb würden zusätzlich mindestens 410.500 Tonnen CO₂ in die Luft geblasen werden. Und das ist noch nicht alles: Bei der Hochrechnung handele es sich „um das absolute Minimum“, da die Emissionen, die durch die Bauarbeiten entstehen, „nicht umfänglich“ abgebildet würden.

Die Befürchtung des BUND: Ein Ausbau von Straßen macht die Nutzung des Pkw und den Gütertransport mittels Lkw attraktiver und erzeugt damit zusätzlichen Verkehr. Dieser Effekt sei bereits in vielen Studien nachgewiesen worden.

 

Gut zu wissen

 

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Die gute Nachricht

Die Einkommen von Azubis sind nach einer Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Im Schnitt lagen die Ausbildungsvergütungen über alle Ausbildungsjahre in tarifgebundenen Betrieben demnach erstmals über 1000 Euro.

Azubis im Westen kamen zum Stichtag 1. Oktober auf durchschnittlich 1029 Euro, im Osten auf 1012 Euro. Insgesamt stiegen die Vergütungen um 4,2 Prozent, nach 2,5 Prozent im Vorjahr. Wegen der hohen Inflation hätten die Auszubildenden aber trotz des höheren Anstiegs Reallohnverluste hinnehmen müssen, hieß es weiter.

 

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