Es wäre der vierte deutsche Oscar-Gewinner

Deshalb ist die Nominierung von „Im Westen nichts Neues“ so besonders

Die erste deutsche Verfilmung des Weltkriegsromans von Erich Maria Remarque geht unter anderem in der Top-Kategorie „Bester Film“ ins Rennen.

Die deutsche Netflix-Produktion „Im Westen nichts Neues“ kann auf mehrere Oscars hoffen, darunter in der Königskategorie „Bester Film“. Das Kriegsdrama des Wolfsburger Regisseurs Edward Berger ist bei den Oscarnominierungen, die am Dienstag bekannt gegeben wurden, einer der großen Gewinner. In neun Kategorien hat der Film nun Chancen auf einen Oscar bei der 95. Verleihung im März.

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Bergers Kriegsdrama könnte in zwei „Bester Film“-Sparten siegen

Der Netflix-Film, der mit 14 Nominierungen für einen Rekord bei den British-Academy-of-Film-and-Television-Arts-Awards (Bafta) gesorgt hatte, bei den Golden Globes aber leer ausging, könnte in Hollywood am 12. März allerdings nicht nur einen Oscar als bester Film gewinnen, sondern auch als bester fremdsprachiger Film - sowie für Sound, Filmmusik, Drehbuch nach einer Vorlage, Make-up, Produktionsdesign, Kamera und Spezialeffekte.

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„Im Westen nichts Neues“ ist ein Film über die Schrecken des Krieges und damit vielleicht preiswürdig als Film auf der Höhe der Zeit. Er erzählt die Erlebnisse des deutschen Soldaten Paul Bäumer an der Westfront des Zweiten Weltkriegs. Der Autor der 1928 erschienenen Romanvorlage, Erich Maria Remarque, ließ das Buch still enden, um im Kontrast die Sinnlosigkeit des Sterbens besonders zu unterstreichen. Als sein Held starb, war es so ruhig an der Front, dass der Einzelschicksale nicht berücksichtigende Heeresbericht nur meldete, es gebe „im Westen nichts Neues“.

Berger dagegen schickt Bäumer (Felix Kammerer) am Ende seines knapp zweieinhalbstündigen Films in ein von höchster Stelle befohlenes sinnloses Gemetzel am letzten Kriegstag, das filmisch ganz klar wirksamer ist. Wobei der Film dadurch seinem Titel nicht mehr ganz gerecht wird.

Waschsalonabenteuer und irisches Inselduell als Hauptkonkurrenten

Mehr Oscars – nämlich elf – könnte 2023 nur die Indieproduktion „Everything Everywhere All at Once“ von Daniel Kwan und Daniel Scheinert einfahren, die im Verlauf ihre Perspektive von einer kleinen chinesischen Waschsalongeschichte zu einem wilden Multiversumsabenteuer weitet.

Gleichauf mit „Im Westen nichts Neues“ ist mit ebenfalls neun Nominierungen Martin McDonaghs „The Banshees of Inisherin“, eine böse Komödie, in der der klobige Colm (Brendan Gleeson) seinen langjährigen Freund Padraic (Colin Farrell) eines Tags für langweilig befindet und ihm die Freundschaft kündigt. Einen Grund gibt er nicht an, aber auf der irischen Insel der 1920er-Jahre wächst sich Abneigung auf der einen und Ratlosigkeit auf der anderen Seite zu einem Duell aus, das von Glocken und Trommeln untermalt wird, als wär’s ein Italowestern.

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Steven Spielberg könnte seinen dritten Regieoscar gewinnen

„Familie – Kunst – Leben: Es wird dich zerreißen“, verkündet der Großvater in „The Fabelmans“, einem Film über den Film, über den Traum vom Kino, den Traum, der von Hollywood am 12. März bei den 95. Oscars wieder gefeiert werden wird. Steven Spielberg ist im Grunde selbst die Hauptfigur seines neuen Films, auch wenn das Kind, das nach seinem ersten Kinobesuch verrückt ist nach dem, was man mit einer Kamera alles machen kann, hier Sammy heißt. Sieben Oscars könnte „The Fabelmans“ im Dolby Theatre von Los Angeles bekommen. Das verkündeten „Girls“-Star Veronica Williams und ihr Schauspielkollege, der Brite Riz Ahmed („The Night Of“) am Dienstagnachmittag.

Spielberg könnte damit den zweiten Oscar für den „besten Film“ einfahren (nach „Schindlers Liste“, 1994) und den dritten für die „beste Regie“ (nach „Schindlers Liste“, 1994 und „Der Soldat James Ryan“, 1999). Baz Luhrmanns „Elvis“ über die größte amerikanische Popikone und ihren destruktiven Manager könnte acht Oscars bekommen.

Auch Tom Cruise’ fliegende Kisten sind im Rennen

Unter den möglichen besten Filmen ist auch „Avatar 2: The Way of Water“, James Camerons 3D-Spektakel über das Leben in Einklang mit der Natur auf einem anderen Planeten (das tags zuvor die 2-Milliarden-Dollar-Grenze an den Kinokassen überschritten hatte). Todd Fields („In the Bedroom“) erzählt in seinem nominierten Drama „Tár“ die fiktive Geschichte der ersten Dirigentin eines Berliner Orchesters.

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Außerdem im Rennen: Ruben Östlunds Inselgleichnis „Triangle of Sadness“, Sarah Polleys (nur eine Regisseurin unter zehn Nominierungen!) Drama „Women Talking“ über sexuelle Übergriffe in einer mennonitischen Gemeinschaft und – warum auch immer – Joseph Kosinskis „Top Gun: Maverick“ über tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten.

Als bester internationaler Film haben neben „Im Westen nichts Neues“ „Argentina, 1985“ (Argentinien), „Close“ (Belgien), „EO“ (Polen) und „The Quiet Girl“ (Irland) Chancen.

Spärlich – nur drei deutsche Filme erhielten bislang den Oscar

Erst drei deutsche Filme bekamen den Oscar für den besten fremdsprachigen Film: Volker Schlöndorffs Günter-Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ (1980), Caroline Links Stefanie-Zweig-Adaption „Nirgendwo in Afrika“ (2003) über eine vor den Nazis nach Kenia geflohenen jüdische Familie, und Florian Henkel von Donnersmarcks Stasi-Tragödie „Das Leben der Anderen“ (2007).

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Die letzten deutschen Nominierten waren 2017 Maren Ades Vater-Tochter-Tragikomödie „Toni Erdmann“ und 2019 Donnersmarcks an das Leben des bildenden Künstlers Gerhard Richter angelehntes Biopic „Werk ohne Autor“ gewesen. Maria Schraders nachdenkliche Komödie „Ich bin dein Mensch“ über die Beziehung einer Frau (Maria Eggert) zu einer humanoiden KI (Dan Stevens), die mehrere deutsche Filmpreise eingefahren hatte, schaffte es im Vorjahr nur auf die Oscar-Shortlist der besten 15, scheiterte dann aber an den Nominierungen. Jetzt also eine Art Vortriumph für „Im Westen nichts Neues“. So etwas gab es noch nie für einen deutschen Film.

„Im Westen nichts Neues“ hat Vorgänger - „The Artist“ und „Parasite“

Dabei ist „Im Westen nichts Neues“ nicht der erste nicht-englischsprachige Film, der mehr ernten kann als den „internationalen Oscar“. 2012 beispielsweise hatte Michel Hazanavicius‘ Beinahe-Stummfilm „The Artist“, eine französische Produktion, fünf Oscars zugesprochen bekommen - darunter den für den „besten Film“. Als erste echte fremdsprachige Produktion in der Geschichte der Oscarverleihung gilt das südkoreanische Familiendrama „Parasite“ von Bong Joon-ho, das 2020 mit vier Academy Awards gekürt wurde - sowohl für den „besten Film“ als auch für den „besten internationalen Film“.

Für die beste weibliche Hauptrolle sind Cate Blanchett („Tár“), Ana de Armas („Blonde“), Andrea Riseborough („To Leslie“), Michelle Williams („The Fabelmans“) und Michelle Yeoh („Everything Everywhere All at Once“) nominiert. Bei den Männern sind Austin Butler („Elvis“), Colin Farrell („The Banshees of Inisherin“), Brendan Fraser („The Whale“), Paul Mescal („Aftersun“) und Bill Nighy („Living“) aufgestellt.

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Bei den Nebendarstellerinnen ist „Halloween“-Star Jamie Lee Curtis für ihren Part einer Steuerprüferin in „Everything Everywhere All at Once“ zum ersten Mal überhaupt nominiert. Die amerikanischen Kritiker äußerten nach der Bekanntgabe der Nominierungen besondere Sympathien für Angela Bassett. Bassett, derzeit als Polizistin Athena Grant eine der Hauptdarstellerinnen der Notrufserie „9-1-1“, hatte mit ihrer Rolle im Film „Black Panther: Wakanda Forever“ zuletzt den ersten Golden Globe für das Marvel Cinematic Universe eingefahren.

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