Mardorf

Weißer Berg wird wieder Binnendüne

Während der Renaturierungsarbeiten ist eine Umleitung eingerichtet.

Während der Renaturierungsarbeiten ist eine Umleitung eingerichtet.

Mardorf. Die Arbeiten zur Renaturierung des Weißen Bergs in Mardorf gehen weiter. Für den dritten Bauabschnitt sind am Uferweg, im Bereich zwischen dem Übergang Strandhotel und dem Übergang Leichte Brise, rund 200 Bäume mit Durchmessern zwischen 20 und 50 Zentimetern entfernt worden. In dem Bereich sollen schrittweise wieder offene Grasflächen und Magerrasen innerhalb eines lichten Eichen-Kiefern-Waldes entstehen.

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Dabei sollen landschaftsbildprägende Gehölze sowie Bäume, die für den Artenschutz wichtig sind, erhalten bleiben. Die Arbeiten schließen auch archäologische Untersuchungen ein und sollen bis Ende Januar 2021 abgeschlossen sein. Der Uferweg sowie die Überwege Strandhotel und Leichte Brise können nach Angaben der Region Hannover von Besucherinnen und Besuchern in diesem Zeitraum größtenteils ungehindert genutzt werden. Wenn es im Zuge der Baumfällungen zu Sperrungen kommt, seien Umleitungen ausgeschildert.

In einer Pressemitteilung zu dem Vorhaben heißt es: „Binnendünen mit vielen offenen Sandflächen und nur wenigen Bäumen waren noch vor fünfzig Jahren charakteristisch für das Landschaftsbild am Nordufer des Steinhuder Meers. Obwohl bis zu 20 Meter hoch, sind die heute aufgeforsteten oder landwirtschaftlich genutzten Sandberge kaum noch erkennbar. Mit einem Renaturierungsprojekt will die Region Hannover den ursprünglichen Zustand einiger Dünen wiederherstellen.“

Sonja Papenfuß, Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover erlärt: „Ziel der Maßnahme ist es, den selten gewordenen Biotoptyp ‚offene Binnendüne‘ wieder am Nordufer entstehen zu lassen, der dann wertvollen Lebensraum für hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten bietet. Auch für die Besucherinnen und Besucher des Naturparks Steinhuder Meer sind die zwei bereits abgeschlossenen Bereiche der Dünenlandschaft eine Besonderheit, die sie auf ihren Spaziergängen erleben und genießen können.“ Auf Informationstafeln am renaturierten ersten Abschnitt nahe der Badestraße werde das Projekt erläutert. Dort habe sich inzwischen Magerrasen und Heidevegetation etabliert, teilt die Region weiter mit.

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Um die im Laufe der Jahre in den Sandboden eingetragenen Nährstoffe zu entfernen, wird auch im dritten Bauabschnitt zunächst die oberste Vegetationsschicht abgeschält und anschließend die obere nährstoffreiche Bodenschicht – etwa zehn Zentimeter dick – abgeschoben.

Das Projekt „Freistellen bewaldeter Binnendünen“ mit geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 240000 Euro wird zu 100 Prozent aus EU-Mittel (Förderbereich strategischer Arten- und Biotopschutz – SAB) gefördert, da die seltenen Lebensraumtypen offene Binnendünen und Sandmagerrasen mit Silbergrasflur wiederhergestellt werden und Lebensraum für seltene Arten wie Zauneidechsen, Schlingnattern, Kreuzkröten und Bienenwölfe (Insekten) geschaffen wird.

Mit Umsetzung des dritten Teilbereichs sind seit 2018 Dünen mit einer Gesamtfläche von etwa vier Hektar renaturiert worden. Um den Binnendünen-Charakter zu erhalten, sind nach Abschluss der jeweiligen Arbeiten Pflegemaßnahmen erforderlich, da sich sonst Ruderalpflanzen, Neophyten und Pioniergehölze wieder ansiedeln und die konkurrenzschwache Magerrasenvegetation verdrängen. Die laufenden Kosten für diese Pflegearbeiten werden von der Region Hannover getragen.

Zum Hintergrund

Binnendünen sind während der Eiszeiten durch Wind entstanden. Nach dem Abtauen der Eismassen blieb in Niedersachsen eine flachwellige Landschaft zurück, die von einer lückenhaften Tundrenvegetation bedeckt war. Starke Westwinde konnten nahezu ungebremst die feinkörnigen Bodenpartikel wie Sand und Schluff davontragen. Mancherorts entstanden flache, bis in die Nähe des Grundwasserspiegels reichende Senken. Auch das Steinhuder Meer ist teilweise auf solche Ausblasungen zurückzuführen. Die verwehten Sande lagerten sich vor allem an der Nordkante der Steinhuder Meeres als Binnendünen ab. Abhängig von der damals vorherrschenden Windrichtung und -stärke bildeten sich verschiedene Formen aus: unregelmäßige Dünen, gut ausgebildete Längsdünen oder u-förmige Parabeldünen.

Die meisten Binnendünen wurden in den vergangenen 200 Jahren aufgeforstet oder unterliegen einer landwirtschaftlichen Nutzung. Zahlreiche Namen wie Hespenberg, Diepholzberge, Schwarze Berge und Weißer Berg weisen noch heute auf die Entstehung hin.

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