Neue Führung beim Streamingdienst

Chefwechsel bei Netflix: Gründer Hastings geht – und die Aktie steigt

Wechsel in die Verwaltung: Reed Hastings, Mitgründer von Netflix, gibt den CEO-Posten beim Streamingriesen ab und wechselt in die Verwaltungsebene. Nachdem in den ersten beiden Quartalen 2022 ein Abonnentenrückgang zu verzeichnen war, hat der Branchenprimus seit dem dritten Quartal wieder Kundenzuwachs.

Wechsel in die Verwaltung: Reed Hastings, Mitgründer von Netflix, gibt den CEO-Posten beim Streamingriesen ab und wechselt in die Verwaltungsebene. Nachdem in den ersten beiden Quartalen 2022 ein Abonnentenrückgang zu verzeichnen war, hat der Branchenprimus seit dem dritten Quartal wieder Kundenzuwachs.

Es geht wieder voran mit Netflix, dennoch geht der Chef von Bord. Reed Hastings, legendärer Netflix-Gründer, verlässt das Topmanagement. Der Co-Geschäftsführer wird Verwaltungsratsvorsitzender beim Branchenprimus, wie er selbst in einer online veröffentlichten Erklärung mitteilte.

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Harry und Meghan sei Dank: Hastings geht mit guten Abonnentenzahlen

Der 62-Jährige wählt einen guten Zeitpunkt. Wer geht, wenn’s gut läuft, gilt nicht als Verlierer. Netflix ist nach einer Schwächephase wieder im Aufwind. Die Royals-Doku „Harry & Meghan“ hatte sich als globaler Couch-Blockbuster erwiesen. Beleidigte Royal-Leberwurst oder gedisster kleiner Bruder des kommenden Königs? Diese Frage wollten Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer geklärt wissen. Doch nicht nur wegen des Windsor-Wahnsinns fiel die Nutzerentwicklung zum Jahresende eminent besser aus, als zunächst befürchtet worden war.

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Netflix kann’s noch – originelle Filme, sehenswerte Serien

7,7 Millionen neue Abonnentinnen und Abonnenten habe man im letzten Quartal hinzugewinnen können, hieß es bei Netflix. Analystinnen und Analysten hatten mehr als drei Millionen weniger Neuzugänge erwartet. Für den Zuwachs sorgten nicht nur die auskunftsfreudigen Sussexes, sondern auch andere gelungene Titel wie die Serien „Sandman“ (eine Fantasy-Comicverfilmung nach Neil Gaiman) oder die von Gothmeister Tim Burton mitgestaltete Serie „Wednesday“ über das Töchterchen der Gruselfamilie Addams, die als Detektivin übernatürlichen Mördern auf der Spur ist.

Dann war da noch die qualitativ hochwertige deutsche Mysteryserie „1899″ der „Dark“-Macher Jantje Friese und Baran bo Odar über eine unheimliche Fahrt auf einem Ozeanriesen. Netflix zeigte mit Noah Baumbachs „Weißes Rauschen“ zudem gehobene Filmkunst.

Und mit „Glass Onion“, dem zweiten Abenteuer um den von Daniel Craig gespielten Detektiv Benoit Blanc, hatte das Portal den vielleicht pointiertesten und originellsten Unterhaltungsfilm des Jahres im Portfolio, einen Film, der mit Sicherheit auch ein Kinohit geworden wäre. Man war wieder wer.

Hastings zum Nachfolgerteam: „Doppelt so viel Herz“

Hastings, der Netflix 1997 zusammen mit Marc Randolph gegründet hatte, als man noch nicht streamte, sondern als Geschäftsmodell DVDs per Post an die frühen Bingewatcher verschickte, stellte den Wechsel als normal dar. Ähnlich seien ja auch Jeff Bezos bei Amazon und Bill Gates bei Microsoft vorgegangen.

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Sein Partner im Vorstandsvorsitz seit 2020, Content-Chef Ted Sarandos, wird künftig von Greg Peters unterstützt. Der war bis dato Chief Product Officer und Chief Operating Officer des Unternehmens und für das Tagesgeschäft zuständig. Zuversichtlich sei er, was die neue Führung anbelangt, so postete Hastings bei Twitter: „Doppelt so viel Herz, doppelt so große Fähigkeit, die Mitglieder zu begeistern und das Wachstum zu beschleunigen.“

Weiterziehen – um das Wohl der Familie zu gewährleisten

Seit Jahren schon sei im Vorstand über eine Nachfolgeregelung nachgedacht worden. In den letzten zweieinhalb Jahren habe er immer mehr Netflix-Leitungsaufgaben Sarandos und Peters überlassen, sagte Hastings. Selbst Gründerväter müssten irgendwann auf andere Posten weiterziehen – um das Wohl der Familie zu gewährleisten, so Hastings.

Dieses Wohl hatte in der ersten Jahreshälfte 2022 gelitten. Im ersten Geschäftsquartal 2022 hatten 200.000 Abonnentinnen und Abonnenten dem roten N den Rücken gekehrt. Dies waren die ersten Kundinnen- und Kundenverluste seit mehr als einem Jahrzehnt gewesen. Vielleicht begann da ja der Plan für den Wechsel im Vorstand zu reifen.

Problemzonen: Schema Netflix und Serienabbrüche

Für den Schwund wurden von Fachleuten einige Gründe ins Feld geführt. Aus dem Hause Netflix, das einst angetreten war, das vor allem durch den New Yorker TV-Programmanbieter HBO gegebene Versprechen des sogenannten Qualitätsfernsehens in die Zukunft zu tragen, war zuletzt ein Schema Netflix sehr ähnlicher Programmangebote (ähnliche Handlungen, ähnliche Figuren) von stark schwankender, nicht selten auch mäßiger Qualität geworden (die Endzeitserie „Tribes of Europa“ war nur ein abschreckendes Beispiel).

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Das Versprechen, Geschichten auszuerzählen, wurde auch immer wieder gebrochen. Serien wurden vor Erreichen ihres erzählerischen Endes – vermutlich aus kommerziellen Erwägungen – abgebrochen. Die Stärke des ausladenden, epischen Erzählens der Serie gegenüber dem Kinofilm verwandelte sich so in eine merkliche Schwäche – weil immer weniger Zuschauende bereit sind, viel Zeit in eine unsichere Geschichte zu investieren, deren Ausgang ihnen dann möglicherweise zwei, drei Staffeln weiter vorenthalten wird.

Zum beliebigeren Programm kamen wirtschaftliche Gründe wie die Inflation – Menschen entscheiden sich aus Budgetgründen für medialen Verzicht. Im zweiten Quartal 2022 musste Netflix 970.000 weitere Abonnentinnen und Abonnenten verloren geben.

Die meisten Abozugänge gab es für Netflix mit Werbung

Der Umschwung kam im dritten Quartal. Was auch und vor allem der Serienmörderserie „Dahmer – Monster: Die Jeffrey Dahmer Story“ zugeschrieben wurde. 2,4 Millionen Zuschauende entschieden sich für ein Netflix-Abo. Mit den Zugängen des vierten Quartals ging es wieder deutlich bergauf und man beendete das Kalenderjahr mit mehr Netflixianern als zu Beginn.

Naturgemäß wurde der scheidende CEO von den Verbleibenden gerühmt. „Wir haben alle so sehr von seiner intellektuellen Stärke, seiner Aufrichtigkeit, aber auch seiner Bereitschaft, hohe Risiken einzugehen, gelernt – und wir freuen uns darauf, noch viele Jahre mit ihm zusammenzuarbeiten“, wurde Sarandos in der „New York Times“ zitiert.

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Netflix-Aktionärinnen und -Aktionäre erfuhren in einem Schreiben, dass die Abozuwächse vor allem dem „Basisabo mit Werbung“ zu verdanken seien, das seit 3. November des Vorjahres auch in Deutschland buchbar ist. Das werbefinanzierte Abonnement ist mit 4,99 Euro pro Monat um 3 Euro günstiger als das werbungsfreie Standardabo. Hastings hatte lange die Ansicht vertreten, dass Netflix und Werbeclips nicht zusammenpassen würden. Inzwischen hat man auch das Abo-Sharing ins Visier genommen.

Abgesetzte Netflix-Serie „1899″ für Grimmepreis nominiert

Das bessere Programm der vergangenen Monate wird auch von den Wächtern des Wertvollen honoriert. Die Remarque-Verfilmung „Im Westen nichts Neues“ von Edward Berger wurde bei den als Baftas bekannten Britischen Filmpreisen jetzt in 14 Kategorien nominiert (der Film ist auch auf der Oscars-Shortlist). Die Netflix-Titel „Queer Eye Germany“, „Gladbeck: Das Geiseldrama“ und „Kleo“ wurden, wie am Donnerstag (19. Januar) bekannt gegeben wurde, für den Grimmepreis 2023 aufgestellt.

„Netflix bietet Öffentlich-Rechtlichen Paroli“ – so sah das das Magazin „Stern“. Bei der 59. Grimmepreisverleihung am 21. März könnte auch die Mysteryserie „1899″ siegen. Die allerdings wurde von Netflix Anfang des Jahres gecancelt – sehr zum Ärger der Abonnenten, die mit einem Cliffhanger und 1001 offenen Rätsel hängen gelassen wurden. Vielleicht ja eine überdenkenswerte Entscheidung.

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Das Netflix-Jahr 2023 begann zufriedenstellend

231 Millionen Abonnenten hat Netflix zurzeit. Sie zu halten, bedarf es auch der Einhaltung von Qualität und Kontinuität. Mit der österreichischen Thrillerserie „Totenfrau“, der formal experimentellen Heist-Serie „Kaleidoskop“, Scott Coopers Historienthriller „Der denkwürdige Fall des Mr. Poe“ und einer gelungenen zweiten Staffel von „Vikings: Valhalla“ begann das Jahr 2023 durchaus zufriedenstellend.

Erst am Mittwoch hatte man angekündigt, 49 Original-Netflix-Filme im Jahr 2023 zeigen zu wollen – darunter Zack Snyders Scifi-Opus „Rebel Moon“ mit Charlie Hunnam, David Finchers „The Killer“ mit Michael Fassbender als Auftragsmörder, dem das Gewissen in die Quere kommt und David Yates‘ Pharmazieverschwörungsdrama „Pain Hustlers“ mit „The English“-Star Emily Blunt.

Sarandos kündigt „starkes Betriebsmodell“ an

Für das Abonnentenwachstum im ersten Quartal 2023 gab Netflix keine Prognosen ab. Der Dienst aus dem kalifornischen Los Gatos, einst unumstrittener Herrscher des Weltstreamingreichs, muss sich gegen immer mehr Konkurrenten behaupten, die zuvor keine eigenen Onlineportale unterhielten und Netflix mit ihren Produkten bei der Programmgestaltung halfen. In vielen Regionen sehen Analystinnen und Analysten den Streamingmarkt zudem als annähernd gesättigt.

Sarandos gab bekannt, er habe mit dem Nachrücker Greg Peters „ein starkes Betriebsmodell“ geschaffen, „das auf den von uns geteilten Werten und dem gleichen Anspruch auf Wachstum gründet“. Was immer das bedeutet – der Aktienkurs stieg nach Bekanntgabe des Führungswechsels im nachbörslichen Handel zunächst um mehr als 6 Prozent an.

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