Kommentar

Insekten im Essen: Probieren geht über meckern

Die Hausgrille, auch als „Heimchen“ bekannt, darf zukünftig in der EU zu Essen verarbeitet werden.

Die Hausgrille, auch als „Heimchen“ bekannt, darf zukünftig in der EU zu Essen verarbeitet werden.

Angesichts des deutschen Trash-TV-Kalenders bewies die EU ein schlechtes Timing. Just in dieser Woche tritt ein neues Gesetz in Kraft, wonach zwei neue Insektenarten verarbeitet werden dürfen: die Larven des Getreideschimmelkäfers sowie die gemeine Hausgrille.

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Ausgerechnet während der Hochphase des „Dschungelcamps“ also, bei dem ein Millionenpublikum dabei zusieht, wie die Kandidaten in Maden baden oder tierische Geschlechtsteile mit Mehlwurmkruste verspeisen – und alle so: Igitt, Insekten!

Wanderheuschrecken sind in der EU bereits zugelassen, die Soldatenfliege oder die Honigbienendrohnenbrut könnten folgen. Aus Marketingsicht gibt es bei der Bezeichnung der neuen Ernährungsoptionen sicherlich noch Verbesserungspotenzial. Doch was wenig appetitlich klingt, könnte bald ein großes Problem lösen.

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Schon 2013 prognostizierte die UN-Welternährungsorganisation FAO, dass Insekten notwendig seien, um die Weltbevölkerung satt zu bekommen. Um die 2000 Arten werden weltweit bereits verspeist. Insekten sind proteinreich, ihre Ställe können in Schubladen mit Luftschlitzen platzsparend eingerichtet werden und ihre Zucht verbraucht viel weniger CO₂ als die von Kuh, Schwein oder Geflügel. Dass die EU nachhaltigere Nahrungsquellen prüft, ist also nur richtig.

Nun ist Geduld gefragt, bis sich Produkte mit Nutztieren der neuen Generation im Supermarktregal durchsetzen. Und eine sachliche Betrachtung. Zu stark wird die Debatte um die Zukunft des Essens im Netz mit plumper EU-Kritik vermischt – Motto: Brüssel will uns heimlich Maden ins Essen mischen. Die deutsche Vertretung der EU-Kommission tat nicht gut daran, auf die Empörungswelle zu antworten: Niemand werde „gezwungen“, Insekten zu essen.

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Natürlich nicht. Niemand wird gezwungen, irgendwas zu essen, was er oder sie nicht möchte – nicht mal im Dschungelcamp. Eine klare Kennzeichnungspflicht wird es auch bei Produkten mit Insektenbestandteilen geben. Dabei gilt: Probieren geht über meckern. In Mexiko zum Beispiel seit Jahren im Trend: schokolierte Heuschrecken. Vielleicht dieses Jahr mal zu Weihnachten?

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