Zwischen Kiel und Hamburg

Zwei Tote und fünf Verletzte bei Messerattacke in Regionalzug – Zeugen berichten von Panik

Einsatzkräfte der Polizei und Rettungsdienste sind an einem Bahnübergang in der Nähe von Bahnhof Brokstedt im Einsatz.

Einsatzkräfte der Polizei und Rettungsdienste sind an einem Bahnübergang in der Nähe von Bahnhof Brokstedt im Einsatz.

Brokstedt. Bei einer Messerattacke in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg sind zwei Menschen getötet und insgesamt sieben Menschen verletzt worden. Drei Menschen hätten schwere Verletzungen erlitten, teilte die Polizei in Itzehoe am Mittwochabend mit. Vier Menschen wurden demnach leicht verletzt.

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Ein Mann wurde festgenommen. Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack handelt es sich um einen staatenlosen Palästinenser. Nach Angaben der Polizeidirektion Itzehoe ist der Tatverdächtige 33 Jahre alt.

+++ Alle Entwicklungen zur Messerattacke auch im Liveblog der „Kieler Nachrichten“ +++

Es gab erste Hinweise, dass der mutmaßliche Täter geistig verwirrt sein könnte. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Nach vorläufigen Erkenntnissen war der mutmaßliche Angreifer bislang nicht als Extremist aufgefallen. Die Zeitung „Welt“ berichtet, dass der Mann mehrfach wegen Sexual- und Gewaltdelikten polizeilich in Erscheinung getreten sei und sich noch bis vor einer Woche in Untersuchungshaft befunden haben soll.

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Mitarbeiter der Spurensicherung sind auf einem Bahnsteig an dem Regionalzug im Einsatz.

Mitarbeiter der Spurensicherung sind auf einem Bahnsteig an dem Regionalzug im Einsatz.

Mutmaßlicher Angreifer geistig verwirrt?

Das Verbrechen ereignete sich nach Angaben der Bundespolizei kurz vor 15 Uhr vor der Ankunft des Zuges im Bahnhof Brokstedt im Kreis Steinburg. Gegen 15 Uhr hatte die Polizei mehrere Anrufe von Fahrgästen aus dem fahrenden Zug erhalten. Auf Benachrichtigung wurde der Zug gestoppt, worauf sich das Geschehen auf den Bahnsteig verlagert habe.

Nach Angaben der Polizei hielten Zeugen den Angreifer dort fest. Demnach sei es diesen unmittelbar nach der Tat gelungen, den Verdächtigen zu stoppen, bis die Einsatzkräfte eintrafen. Etwa 120 Fahrgäste seien in dem Zug gewesen. „Das muss ein sehr großes Chaos gewesen sein“, sagte eine Polizeisprecherin.

Die Reisenden wurden nach Polizeiangaben in einem nahe gelegenen Gasthof befragt. Die Spurensicherung war mit mehreren Kräften im Einsatz. An einem Bahnübergang mit geöffneten Schranken arbeiteten Spurensicherer in weißen Schutzoveralls.

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Augenzeuge berichtet von Panik im Zug

Eine Frau aus Bad Bramstedt wartete wenige Meter entfernt vom Bahnhof auf ihre Tochter. Die 18 Jahre alte Studentin war mit dem Zug auf dem Rückweg von der Uni in Kiel. „Sie hat gesehen, wie ein Mensch vier Reihen vor ihr auf jemanden eingestochen hat“, sagte die Mutter. Sie könne derzeit noch nicht mit ihrer Tochter sprechen, nur schreiben, sagte die sichtlich bewegte Frau. Die Tochter warte noch darauf, bei der Polizei eine Aussage zu machen. Die junge Frau sei zwar unverletzt. „Ich glaube aber, es geht ihr schlecht. Was sind das für Menschen, die so etwas machen?“, sagte die Mutter.

Ein Augenzeuge berichtete den „Kieler Nachrichten“, dass die Menschen in seinem Waggon Panik bekamen, als drei Mädchen hineinstürmten und von einem Mann mit Messer im Zug berichteten.

Innenministerin Sütterlin-Waack: „Es ist ganz furchtbar“

„Der Messerangriff in einem Regionalzug ist eine erschütternde Nachricht. All unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser furchtbaren Tat und ihren Familien“, schrieb Bundesinnenministerin Nancy Faeser bei Twitter.

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„Es ist ganz furchtbar. Wir sind alle völlig erschrocken und entsetzt, dass sowas passiert ist“, sagte die Innenministerin von Schleswig-Holstein, Sabine Sütterlin-Waack, dem NDR. Sie traf noch am frühen Abend in Brokstedt ein.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sprach von einer schrecklichen und sinnlosen Tat, die zwei Menschen das Leben gekostet habe. „Schleswig-Holstein trauert - das ist ein furchtbarer Tag“, sagte Günther in Kiel. Ein vergleichbar schweres Gewaltverbrechen in einem Zug hat es laut Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zeigte sich laut „Kieler Nachrichten“ tief betroffen: „Noch vor wenigen Tagen bin ich selbst auf dieser Strecke gefahren. Über diese entsetzliche Tat bin ich bestürzt. Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Opfer.“ Er hoffe, dass die Hintergründe bald aufgeklärt würden.

Zugverkehr zwischen Kiel und Hamburg beeinträchtigt

Der Zugverkehr zwischen Flensburg und Hamburg sowie Kiel und Hamburg ist nach dem Messerangriff beeinträchtigt, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn am Abend mit. Die Strecke zwischen Wrist und Brokstedt sei derzeit gesperrt.

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Die Deutsche Bahn teilte am Abend mit: „Den Angehörigen der Opfer gehört unser tiefes Mitgefühl. Den Verletzten wünschen wir eine baldige und vollständige Genesung.“

RND/dpa/seb

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