Sie galten als fast ausgerottet

Das Comeback der Riesenmotten in Australien

Eine Bogong-Motte sitzt an einer Pflanze.

Eine Bogong-Motte sitzt an einer Pflanze.

Sydney. Für die australischen Ureinwohner waren die Motten, die jedes Jahr im Frühling vor den steigenden Tempera­turen im Bundesstaat Queensland in die kühlen Höhlensysteme der Gebirgslandschaften der Snowy Mountains ziehen, schon immer eine willkommene Ergänzung ihres Speiseplanes. Die Aboriginal People gruben sie einst in heißen Sand ein und bedeckten sie mit glühenden Kohlen, verarbeiteten sie zu Paste oder Kuchen. Die Insekten haben einen nussigen Geschmack und durch ihren hohen Fett- und Proteingehalt sind sie eine nahrhafte Mahlzeit. 100 Gramm der Mottenleiber enthalten fast 1805 Kilojoules an Energie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Noch vor einigen Jahren galten die Insekten eigentlich eher als Plage: Lokale Medien berichteten, wie die bis zu vier Zentimeter großen Motten jedes Jahr wieder die australische Hauptstadt Canberra „überfielen“. Die massiven Insekten verstopften Abzugsschächte und Klimaanlagen und färbten ganze Häuser braun. Vor allem das am Abend hell erleuchtete Parlament der Hauptstadt wurde in der Vergangenheit immer wieder mal zur „Lebendfalle“.

Klima-Check

Erhalten Sie die wichtigsten News und Hintergründe rund um den Klimawandel – jeden Freitag neu.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Motten galten bereits als fast ausgerottet

Doch so lästig die Motten für viele Menschen waren, so wichtig waren sie als Bestandteil der Nahrungskette für Säugetiere wie die kleinen Pygmy-Possums und mehrere Vogelarten. In den letzten Jahren ist ihre Zahl jedoch stark zurückgegangen. Die jahrelange Dürre, die im Osten Australiens auch den Nährboden für die verheerenden Buschfeuer um die Jahreswende 2019/2020 schaffte, ließ die Population um schätzungsweise 99,5 Prozent einbrechen. Vor allem 2017/2018 erhielten die Insekten einen so heftigen Schlag, dass sie als fast ausgerottet galten. Im vergangenen Jahr wurden sie deswegen auch auf die gefährdete Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) gesetzt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Eric Warrant, ein Forscher der schwedischen Lund-Universität, der sich auf die Motten spezialisiert hat, sagte dem australischen Sender ABC, dass die Dürre eine der schlimmsten in der Geschichte gewesen sei. Die Brutgebiete der Motte in den ansonsten halbariden Regionen trockneten vollkommen aus. Die Vegetation, von der sich die Raupen ernähren sollten, verdörrte, die Raupen verhungerten.

Umweltschutzorganisation ist „vorsichtig optimistisch“

Doch nun scheinen die Motten ein Comeback zu erleben: Nachdem die australische Ostküste zum dritten Mal in Folge eine La-Niña-Saison verzeichnet, die deutlich mehr Regen in die Region bringt, erholen sich laut Warrant auch die Mottenzahlen wieder. So konnten die Forschenden an Orten wie dem Kosciuszko-National­park im Bundesstaat New South Wales, den Brindabella Ranges in der Nähe von Canberra und in Mount Buffalo in Victoria wieder deutlich mehr der eindrucksvollen Insekten zählen.

In einem Bericht für die Umweltschutzorganisation Australian Conservation Foundation schrieb Warrant, dass er „vorsichtig optimistisch“ sei. Die Zahlen seien seit Langem wieder besser und an zwei Nächten im November hätten sie große Schwärme fliegen sehen und Hunderte seien auf den beleuchteten Tüchern gelandet, die sie ausgelegt hätten. Auch Marissa Parrott, eine Biologin von Zoos Victoria, bestätigte in dem Bericht, dass sie eine Erholung der Mottenpopulation beobachtet habe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein goldener Käfer in Not

Doch während sich die ikonischen Motten wieder erholen, haben viele Australierinnen und Australier die um die Weihnachtszeit aktiven Christmas Beetles vermisst. Die golden schimmernden Käfer, die normalerweise im Dezember und Januar regelmäßig umherschwirrten, sind inzwischen eine rare Erscheinung geworden. Die Wissenschaft vermutet, dass der Rückgang einiger Eukalyptusarten dafür der Grund sein dürfte. Zwei ihrer Lieblingsfutterbäume gelten inzwischen als „bedroht“. Außerdem hat die zunehmende Urbanisierung und die damit einhergehende Rodung von Waldgebieten den Käfern Lebensräume weggenommen.

Wie ernst die Lage für die „Weihnachtskäfer“ ist, ist jedoch noch etwas unklar. Genaueres will nun ein Projekt herausfinden, das mit sogenannten Bürgerwissenschaftlern und ‑wissenschaftlerinnen arbeitet. Sie sollen online vermerken, wann und wo sie einen Christmas Beetle gesehen haben. Daraus wollen die Forschenden dann Rückschlüsse auf die Käferpopulation ziehen.

Mehr aus Wissen

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen