Was Anleger über den neuen 24-Stunden-Handel wissen müssen
Ende Oktober hat die Deutsche Börse den Aktienhandel rund um die Uhr eingeführt. Der sogenannte 24-Stunden-Handel ermöglicht es, die 40 Dax-Werte auch nachts und am Wochenende zu kaufen und zu verkaufen. Allerdings gibt es einen entscheidenden Haken: Privatanleger können das neue Angebot bislang nicht ohne Weiteres nutzen. Zudem unterscheidet sich der Handel auf der neuen Plattform in einigen Punkten deutlich vom klassischen Börsenhandel.
Deutsche Börse startet 24-Stunden-Handel mit Dax-Aktien
Bislang war der Aktienhandel an der Frankfurter Börse an feste Zeiten gebunden. Der reguläre Handel über die elektronische Handelsplattform Xetra läuft montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr. Für Privatanleger gibt es darüber hinaus einen erweiterten Handelszeitraum von 8 bis 22 Uhr. Nachts und am Wochenende waren Aktiengeschäfte über diese Plattform bislang nicht möglich.
Das ändert sich nun zumindest für die 40 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax). Die Deutsche Börse hat am 27. Oktober 2026 einen Handel rund um die Uhr eingeführt. Aktien von Unternehmen wie SAP, Siemens, Airbus, BMW oder Rheinmetall können damit grundsätzlich auch nachts und an Wochenenden gekauft und verkauft werden.
Möglich macht das die Handelsplattform 360X, eine Beteiligung der Deutschen Börse. Sie übernimmt die Ausführung von Geschäften außerhalb der regulären Xetra-Handelszeiten. Die Abwicklung der Wertpapiergeschäfte erfolgt über bestehende Clearstream-Konten. Dabei handelt es sich um einen Dienstleister der Deutschen Börse, der unter anderem für die Verwahrung und Abwicklung von Wertpapieren zuständig ist.
Die Börse verliert die KI-Euphorie
Weltweit rutschen die Technologiewerte. Zinssorgen sind nur einer von vielen Auslösern. Plötzlich ist wieder Sicherheit gefragt.
Privatanleger brauchen noch Geduld
Obwohl die Deutsche Börse den 24/7-Handel offiziell gestartet hat, fehlt bislang der Zugang für private Anleger. Sie können nicht selbstständig an der Deutschen Börse oder auf 360X handeln, sondern benötigen dafür einen Broker oder eine Bank. Der Haken: Laut tagesschau.de bietet bislang noch kein Geldhaus Privatpersonen den Handel über 360X an.
Ein Sprecher der Deutschen Börse erklärte gegenüber tagesschau.de, dass 360X mit verschiedenen Brokern im Gespräch sei. Er rechne damit, dass sich die Gespräche zeitnah konkretisieren werden.
Mit anderen Worten: Die technische und regulatorische Infrastruktur für den Handel steht bereit. Ob und wann Privatanleger davon profitieren können, hängt nun von den Finanzdienstleistern ab.
Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wie funktioniert der Aktienhandel über 360X?
Anders als auf Xetra werden Kauf- und Verkaufsaufträge auf 360X nicht in einem zentralen Orderbuch zusammengeführt. Stattdessen gilt das sogenannte Request-for-Quote-Verfahren: Anleger fragen einen Preis an und erhalten Angebote von Händlern. Sie können diese annehmen oder ablehnen. Kommt keine Einigung zustande, wird kein Geschäft abgeschlossen.
Welche Risiken birgt der Aktienhandel in der Nacht?
Nachts und am Wochenende sind weniger Marktteilnehmer aktiv. Dadurch können die Spreads, also die Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen, größer ausfallen. Anleger bekommen beim Verkauf möglicherweise weniger Geld oder müssen beim Kauf mehr bezahlen. Zudem fehlt ein laufend aktualisierter Xetra-Kurs als Referenzwert. Die Preise auf 360X können deshalb deutlich von den zuletzt festgestellten Kursen abweichen.
Warum wird der Handel zunächst auf 40 Dax-Aktien beschränkt?
Die Deutsche Börse konzentriert sich zunächst auf die 40 Dax-Unternehmen, weil deren Aktien besonders gefragt sind und das größte Handelsvolumen erwarten lassen. Eine spätere Ausweitung auf weitere Werte ist grundsätzlich möglich. Zunächst will der Börsenbetreiber beobachten, wie das Angebot angenommen wird.
Bleibt Xetra weiterhin der wichtigste Handelsplatz?
Ja. Xetra bleibt der zentrale Handelsplatz für deutsche Aktien und maßgeblich für die Preisbildung während der regulären Börsenzeiten. Kurse, die nachts oder am Wochenende auf 360X zustande kommen, beeinflussen weder die offiziellen Eröffnungskurse noch die Eröffnungsauktionen am nächsten Handelstag. 360X ergänzt Xetra lediglich um zusätzliche Handelsmöglichkeiten außerhalb der üblichen Zeiten.
Auch US-Börsen wollen ihre Handelszeiten ausweiten
Die Deutsche Börse steht mit ihrem Vorstoß nicht allein. Auch international wächst das Interesse an längeren Handelszeiten. Die US-Technologiebörse Nasdaq plant beispielsweise einen Handel über 23 Stunden pro Tag und fünf Tagen pro Woche.
Der Start ist für den 6. Dezember 2026 vorgesehen. Zusätzlich zu den bisherigen Handelszeiten soll eine Nachtsitzung eingerichtet werden. Eine tägliche einstündige Unterbrechung ist für technische Wartungsarbeiten und die Abwicklung von Geschäften vorgesehen.
Hintergrund ist die wachsende Nachfrage internationaler Anleger, die unabhängig von den klassischen Börsenzeiten auf Nachrichten und Entwicklungen reagieren möchten.