Kommentar

Gefährliche Hunde, bekannte Vorgeschichte: Wie konnte es zu der Beißattacke in Stolzenau kommen?

Ein Hund hat einen Mann angegriffen und lebensgefährlich verletzt. (Symbolbild)

Stolzenau. Ein 16-Jähriger geht mittags durch Stolzenau, Musik in den Ohren, auf dem Weg Richtung Schulzentrum. Es ist eine entspannte Situation, kein Risiko erkennbar. Doch plötzlich fallen ihn drei Hunde an. Darunter einer, der seit Jahren von Behörden als gefährlich eingestuft war und die trotzdem frei herumlief.

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Das Erschreckende an diesem Fall ist nicht, dass das System böswillig versagt hat. Es ist, dass es auf den ersten Blick alles richtig gemacht hat: Der Hund wurde nach Beißattacken als gefährlich eingestuft, der Halterin entzogen und in einer speziellen Einrichtung untergebracht. Der Wesenstest wurde angeordnet, der Hund bestand ihn nicht. Formell war alles korrekt.

Und trotzdem brach das Tier mit zwei anderen am 3. Juni vom Grundstück der Frau in Stolzenau aus. Die Hunde seien „nur zu Besuch“ gewesen, sagt sie. Wie sie dorthin kamen, weiß niemand zu beantworten, auch der Landkreis nicht, der die Maßnahmen seinerzeit angeordnet hatte.

Das ist der Kern des Problems und er ist unangenehm, weil er keine einfache Schuldige benennt: Anordnungen entfalten nur dann Wirkung, wenn auch jemand prüft, ob sie eingehalten werden. Nicht aus Misstrauen gegenüber Haltern, sondern weil Kontrolle der Preis ist, den ein System zahlen muss, wenn es auf pauschale Verbote verzichtet. Niedersachsen hat keine Rasseliste, was eine vertretbare Entscheidung ist. Aber sie setzt voraus, dass individuelle Maßnahmen auch wirklich und dauerhaft greifen.

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Der 16-Jährige trägt jetzt Verbände an Arm und Bein. Die Wunden müssen täglich desinfiziert werden, können wegen Infektionsgefahr nicht genäht werden. Aktuell kann er nicht zur Schule gehen. Niemand hat das gewollt. Die Frage ist, wer künftig sicherstellt, dass Maßnahmen nicht einfach verpuffen.

DH