18.000 Euro sind das Ziel

Nach den Schüssen von Nienburg: Witwe des getöteten Ali Defli sammelt für das Zufallsopfer

Der Spendenaufruf auf GoFundMe: Hovsep Petroysian ist durch die Schussverletzung querschnittsgelähmt.

Nienburg. Es ist eine ungewöhnliche Form der Hilfe nach einer Tat, die Nienburg im Mai erschütterte. Und sie ist Ausdruck, wie ein Schicksalsschlag Familien zu verbinden mag. Suzan Defli, die Witwe des am 5. Mai erschossenen Ali Defli, hat über die Internetplattform gofundme.com eine Spendenaktion für Hovsep Petrosyan gestartet. Der 67-Jährige war bei der Schießerei am Lehmwandlungsweg als unbeteiligter Passant von einer Kugel getroffen worden. Heute ist sein Leben grundlegend verändert.

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Petrosyan wurde nach Angaben seiner Familie durch den Schuss vom Hals abwärts querschnittgelähmt. Über längere Zeit musste er beatmet werden. Erst seit Kurzem kann er wieder selbstständig atmen. Nach rund vier Monaten im Bett sitzt er inzwischen erstmals wieder im Rollstuhl. Seine Entlassung aus dem Krankenhaus wird nach Angaben der Familie voraussichtlich erst Ende des Jahres möglich sein.

Suzan Defli und Petrosyans Sohn David haben ein Video veröffentlicht, um Zeugen zu dem Vorfall zu finden, bei dem Suzan Deflis Mann Ali ermordet und David Petrosyans Vater schwer verletzt worden ist.

Dabei war Petrosyan vor der Tat körperlich aktiv. Spazieren gehen und Rad fahren gehörten zu seinem Alltag, nach Angaben seiner Familie war er häufig bis zu 20 Kilometer am Tag unterwegs. Nun benötigt er umfangreiche Unterstützung. Die Familie musste in eine barrierefreie Wohnung umziehen. Seine Ehefrau, die als Taxifahrerin gearbeitet hatte, kann derzeit nicht mehr arbeiten.

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Besonders dringend benötigt die Familie nach eigenen Angaben ein behindertengerechtes Auto mit einem System zum Verladen des Rollstuhls. Es soll Petrosyan nach der Entlassung ermöglichen, Ärzte und Therapien zu erreichen und wieder ein Stück Selbstständigkeit zu gewinnen.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes

Für Suzan Defli ist die Spendenaktion auch deshalb bemerkenswert, weil sie selbst unmittelbar von der Tat betroffen ist. Ihr Mann Ali Defli, 36 Jahre alt und Geschäftsmann aus Nienburg, wurde am 5. Mai bei dem Schusswechsel getötet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 31-jährigen Nienburger wegen Mordes und versuchten Mordes. Petrosyan war nach den bisherigen Ermittlungen ein Zufallsopfer und hatte mit der Auseinandersetzung nichts zu tun.

Nun richtet sich der Blick der Witwe nicht nur auf den Verlust ihrer eigenen Familie. „Ich wende mich heute an euch für die Familie Petrosyan“, schreibt Defli auf der Spendenplattform GoFundMe. Die Familie habe zunächst auf staatliche Unterstützung gehofft, sich wegen langwieriger Verfahren aber schließlich für den Spendenaufruf entschieden.

Das Ziel der am 15. September gestarteten Aktion liegt bei 18.000 Euro. Aktuell sind bereits 6840 Euro von 129 Spendern zusammengekommen. Das Geld soll nach Angaben der Organisatorin unter anderem für die barrierefreie Wohnung, den Alltag der Familie und das dringend benötigte Fahrzeug eingesetzt werden.

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So verbindet die Spendenaktion zwei Schicksale, die am 5. Mai auf tragische Weise zusammengeführt wurden: Hier die Familie eines Mannes, der sein Leben verlor – dort die Familie eines unbeteiligten Passanten, dessen Leben dauerhaft verändert wurde.

DH