Eine Insel als Hauptgewinn
Eigentlich wollte sie mit dem Kajak übersetzen. Oder auf einem Stand-up-Paddleboard. Doch daraus wurde nichts. „Das Wetter hat leider nicht so mitgespielt, wie ich das gehofft hatte“, sagt Miriam Wiskemann. Darum ließ sich die 27-Jährige, die an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale) studiert, mit einem kleinen Motorboot übersetzen zu ihrer „eigenen“ Insel.
Das war schon ein tolles Gefühl.
Miriam Wiskemann,
Inselverwalterin auf Zeit
Dabei handelt es sich um Marsten – ein rund 7000 Quadratmeter großes Eiland an der schwedischen Westküste, unweit des 30.000-Einwohner-Städtchens Falkenberg in der Region Halland. Gewonnen hat sie dieses bei einem Gewinnspiel der Tourismusagentur Visit Sweden – oder genauer gesagt: das Recht, die schroffe Steininsel ein ganzes Jahr lang verwalten zu dürfen. 2242 Menschen aus 100 Ländern hatten mitgemacht, sie war eine von den fünf Gewinnern in dem Wettbewerb.
Von den Touristikern gab’s nun auch ganz praktische Hilfe, um nach Marsten zu kommen: Caroline Andersson von Destination Falkenberg organisierte kurzerhand die Überfahrt mit einem kleinen Fischerboot. „Das Boot ist ganz schön über die Wellen gesprungen“, erzählt Wiskemann, und anlegen konnte es dann auch gar nicht, weil es an der Insel keinen Steg gibt. Zusammen mit Andersson sowie einer Freundin, die sie auf der Reise begleitete, ging die glückliche Insel-Gewinnerin daher barfuß über rutschige Steinklippen an Land.
In Schweden gilt das „Jedermannsrecht“
„Gerade als wird dort angekommen waren, brach die Wolkendecke auf und die Sonne kam hervor“, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke von Marsten. Vor Ort geblieben ist Wiskemann nur eine gute Stunde und konnte doch viele Details entdecken: „Anhand der Fotos, die ich zuvor gesehen hatte, hätte ich nicht gedacht, dass dort so viel wächst“, sagt sie. Umso erfreuter war sie über all die Blumenarten, die sie zwischen den Steinen erspähen konnte.
Mitgenommen hat sie sich zwei Dinge: eine kleine Muschel und eine Feder. Bevölkert wird Marsten nämlich vor allem von Vögeln, insbesondere Kormoranen, und die wissen ihren Nachwuchs die Sommermonate über lautstark zu verteidigen. Kaum ein Einheimischer, mit dem sie sich bei ihrer Reise in Falkenberg unterhalten hat, hat daher jemals auch nur einen Fuß auf das Eiland gesetzt. Erlaubt wäre das, denn in Schweden gilt das sogenannte „Jedermannsrecht“: Solange man nicht stört und nichts zerstört, darf man sich in der Natur frei bewegen. Gerade ist die Brutsaison zu Ende gegangen, sodass die Tiere inzwischen glücklicherweise ausgeflogen sind.
Robben sonnten sich auf einer Felsbank
Das Gebot, nichts und niemanden mit der eigenen Anwesenheit zu beeinträchtigen, beherzigten Wiskemann und ihre Begleiter auch selbst: „Vor der Insel vorgelagert gibt es kleine Felsen“, erzählt sie, „auf denen haben Robben gelegen und sich gesonnt.“ Sie hätten gebührend Abstand gehalten, um die Tiere nicht aufzuscheuchen.
Das einzige Gebäude auf „ihrer“ Insel ist ein steinerner Turm. Da er in der Mitte nicht hohl ist, taugt er zwar nicht als Wetterunterstand, wohl aber als das Wahrzeichen von Marsten schlechthin. In just seinem Schatten gönnten sich Wiskemann und ihre Begleiter eine Zimtschnecke: Die örtliche Tourismus-Expertin hatte wohlweislich eine Thermoskanne dabei, um den besonderen Moment mit der typisch schwedischen Kaffeepause „Fika“ zu feiern.
Rückkehr für das kommende Jahr geplant
Als Landmarke sorgt das Türmchen zudem dafür, dass man die Insel schon von Weitem sehen kann – wenn man mit dem Boot unterwegs ist, aber auch, wenn man von Falkenberg aus aufs Wasser hinausblickt. Auch vom Zimmer ihres Hotelzimmers aus hatte sie ihn stets im Blick. „Das war schon ein tolles Gefühl.“ Im März will die Wahl-Hallenserin daher noch einmal zurückkehren und ihr eigenes kleines Eiland dann ihren Eltern zeigen.
Generell fand die angehende Illustratorin Westschweden äußerst inspirierend: Ihre erste kurze Stippvisite auf Marsten verband sie mit einer Reise, die sie von Göteborg bis hinunter nach Malmö führte. Angetan hat es ihr dabei unter anderem das Designmuseum Rian in Falkenberg. „Toll, dass es so etwas in einer Stadt dieser Größe gibt.“ Einfließen sollen all die Eindrücke nun in ihre Bachelorarbeit, die im kommenden Jahr ansteht.