Abgeordnetenhauswahl 2026 in Berlin: Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick
Am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Nach dem Rückzug des bisherigen Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) ist das Rennen um seine Nachfolge völlig offen. Die Umfragen deuten auf ein knappes Ergebnis hin - für die Bildung einer neuen Regierung dürften also schwierige Verhandlungen anstehen. Wie die Wahl abläuft und was Sie wissen müssen.
Wann und wo wird in Berlin gewählt?
Die Berliner Wahllokale sind am 20. September von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Wahlberechtigten sollten bis spätestens drei Wochen vor der Wahl per Post ihre Wahlbenachrichtigung, erhalten haben, auf der das jeweils zuständige Wahllokal in den insgesamt 78 Wahlkreisen vermerkt ist.
Wie funktioniert die Briefwahl in Berlin?
Wer am 20. September nicht im Wahllokal wählen kann oder möchte, hat stattdessen die Möglichkeit, die Briefwahl nutzen. Der Antrag auf einen Wahlschein kann bis zum 15. September online (über den QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung) und bis zum 18. September um 15 Uhr per E-Mail oder Post beim zuständigen Bezirkswahlamt gestellt werden - jedoch nicht telefonisch.
Die Briefwahlunterlagen müssen spätestens am 20. September um 18 Uhr beim zuständigen Bezirkswahlamt eingegangen sein. Um Verzögerungen durch die Post zu vermeiden, kann in Berlin auch vorab direkt vor Ort in den bezirklichen Briefwahlstellen gewählt werden.
Wie viele Stimmen hat man bei der Abgeordnetenhauswahl?
Wie bei Bundestags- oder Landtagswahlen haben die Berliner zwei Stimmen. Die Erststimme wird an einen Direktkandidaten aus dem jeweiligen Wahlkreis vergeben, die Zweitstimme für die Bezirks- oder Landesliste einer Partei. Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie viele Sitze eine Partei insgesamt im Abgeordnetenhaus erhält.
Wer sind die Spitzenkandidaten der Parteien in Berlin?
Da der Regierende Bürgermeister von Berlin vom Abgeordnetenhaus gewählt wird, entscheidet die Wahl am 20. September indirekt auch darüber, wer künftig ins Rote Rathaus einzieht. Wegen der Kritik an seinem Umgang mit dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar 2026 tritt der aktuelle Amtsinhaber Kai Wegner nicht erneut an.
Insgesamt 17 Parteien mit Landes- oder Bezirkslisten stehen bei der diesjährigen Wahl auf dem Stimmzettel. Wie bei Bundestags- oder Landtagswahlen ziehen jedoch nur Parteien, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen (oder mindestens ein Direktmandat) erhalten, ins Parlament ein.
Die Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten Parteien sind:
- Stefan Evers (CDU)
- Steffen Krach (SPD)
- Elif Eralp (Die Linke)
- Bettina Jarasch und Werner Graf (Die Grünen)
- Kristin Brinker (AfD)
Wer führt in den aktuellen Wahlumfragen in Berlin?
Die Umfragen prognostizieren für Berlin ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Laut einer aktuellen ARD-Vorwahlumfrage von Infratest dimap (10. September) liegt die Linke mit 21 Prozent hauchdünn vor der CDU (20 Prozent).
Dahinter folgen die AfD (18 Prozent) und die Grünen (16 Prozent). Die derzeit noch mitregierende SPD liegt mit einem historisch schlechten Umfragewert bei 12 Prozent, während das BSW (4 Prozent) an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern droht.
Welche Koalitionen wären nach der Wahl möglich?
Eine Neuauflage der aktuell regierenden schwarz-roten Koalition (CDU und SPD) hätte nach jetzigen Umfragen keine Mehrheit mehr. Die Regierungsbildung dürfte sich schwierig gestalten, da CDU, SPD, Grüne und Linke eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen.
Rechnerisch und politisch kommen daher nur Dreierbündnisse infrage: sowohl ein Linksbündnis aus Linken, Grünen und SPD als auch eine Kenia-Koalition (CDU, Grüne und SPD) wären laut aktuellen Umfrageergebnissen möglich. Für beide Konstellationen bräuchte es jedoch große Kompromisse - insbesondere die Forderung der Linken nach der Enteignung großer Immobilienkonzerne bleibt einer der größten Streitpunkte zwischen den potenziellen Koalitionspartnern.