Anschlag von Krakau: Der Terror zeigt sich nun in ganz Europa
Als der Terror vor zehn Jahren nach Deutschland kam, auf den Berliner Breitscheidplatz, war sein erstes Opfer ein Pole, der Lastwagenfahrer Lukasz Urban. Auf der polnischen Rechten war seitdem oft zu hören, so etwas könne dort wegen der restriktiven Migrationspolitik nicht passieren. Mit „so etwas” war die Blutspur des Dschihadismus gemeint, die sich durch Westeuropa zog.
Nun ist der Terror nach Polen gekommen. Sein Gesicht ist weiß und jung, sein Hass kam höchstwahrscheinlich von sehr weit rechts. Deutschland hat diese Art von Terror auch schon erfahren, 2020 in Hanau und 2019 in Halle. Der Terrorismusforscher Peter R. Neumann spricht von einer neuen Grauzone, in der sich Einzeltäter in extremen Online-Subkulturen radikalisieren und die Tat in einem Spannungsfeld zwischen ideologisch getriebenem Handlungsdruck und persönlichen oder psychischen Krisen geschieht.
Er wählte den schönsten Platz des Landes als Bühne für seinen Terror
Noch wissen wir wenig über den Täter. Er hat wahrscheinlich seine engsten Angehörigen getötet und fuhr dann 200 Kilometer nach Krakau, um auf dem Hauptplatz ein Blutbad anzurichten. Nach Warschau wäre es genauso weit gewesen. Aber er wählte den schönsten Platz Polens für sein Massaker aus, beliebt bei Touristen aus aller Welt, das Herz der polnischen Geschichte.
Warum tat er das? Wie alle Attentäter suchte er eine Bühne. Und ein Hass auf die Großstadt, auf das weltläufige, erfolgreiche Polen mag eine Rolle gespielt haben.
Polen trauert. Ganz Polen, obwohl die politische Spaltung in den vergangenen Tagen im Streit um das Verfassungsgericht erneut zu einer Eskalation geführt hat. Am Mittwoch steht der Unabhängigkeitstag an. Traditionell geht dort die Rechte auf die Straße, es werden Ausschreitungen befürchtet. Es wäre gut, wenn daraus ein Marsch der Trauer und des Innehaltens würde.