Die schönsten Fachwerkhäuser Deutschlands liegen alle an dieser Straße
Für Fachwerkhäuser ist Deutschland weltweit bekannt. Was für die Einheimischen über Jahrhunderte als üblicher Baustil empfunden wurde, hat vielen Dörfern und Städten inzwischen internationalen Ruhm eingebracht. Menschen reisen aus aller Welt an, um Fotos zu knipsen und zwischen den urigen Fassaden zu flanieren.
Doch was genau macht das verzierte Gebälk eigentlich so faszinierend? Der Baustil etablierte sich im Mittelalter als Weiterentwicklung der einfachen Pfostenbauweise und war bis ins 19. Jahrhundert die am meisten verbreitete Architektur nördlich der Alpen. Damals waren Holzbalken und Lehm, aus denen die Gefache geformt und verfüllt wurden, deutlich verfügbarer und günstiger als Mauersteine.
Darüber hinaus ist das Fachwerk auch ein Ausdruck deutscher Handwerkskunst. Anders als in heutigen Zeiten, in denen aus Gründen der Effizienz zumeist homogen gebaut wird, zierten das Fachwerk damals häufig künstlerische Elemente. Die Größe und Form der Gefache und Balken, Schnitzereien und Inschriften oder die Farbauswahl – jedes Haus sah ein bisschen anders aus. Dadurch dienen Fachwerkhäuser nicht nur als Zweckbauten, sondern erzählen auch Geschichten. Geschichten über die damalige Zeit, über ihre Bewohner und über die Orte, an denen sie stehen.
Übersicht
- Deutsche Fachwerkstraße: Mehr als 120 malerische Städte und Dörfer
- Etappe 1: Von der Elbe bis zum Harz
- Etappe 2: Vom Harz zum Thüringer Wald
- Etappe 3: Vom Weserbergland zum Spessart
- Etappe 4: Vom Westerwald zum Main
- Etappe 5: Vom Rhein zum Odenwald
- Etappe 6: Franken
- Etappe 7: Vom Neckar zum Bodensee
- Etappe 8: Oberlausitz
Deutsche Fachwerkstraße: Mehr als 120 malerische Städte und Dörfer
Zusammengefasst werden die Erzählungen über die deutsche Fachwerkkunst von der Deutschen Fachwerkstraße. Die touristische Route wurde 1990 von einer Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen. Ziel: Das Marketing bündeln, die touristischen Highlights der einzelnen Fachwerkregionen bekannter machen und den Erhalt des kulturellen Erbes sichern und fördern. Über die Jahre ist die „Fachwerkstraße“ immer weiter gewachsen. Die Themenroute ist aktuell 3900 Kilometer lang, besteht aus acht Teilstrecken in sieben Bundesländern und verbindet mehr als 120 Fachwerkstädte.
Die Fachwerkstraße stellt natürlich die schönen Häuser in den Vordergrund. Doch entlang der Strecke von der Elbe bis zum Bodensee zeigen sich auch viele Attraktionen, schöne Landschaften und reichlich Kultur. Der reisereporter stellt die Highlights vor.
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Etappe 1: Von der Elbe bis zum Harz
In die Deutsche Fachwerkstraße können Reisende natürlich an der gesamten Route einsteigen. Formell beginnt die Strecke aber im Norden. Sie verbindet auf einer 1083 Kilometer langen Rundstrecke 19 Fachwerkstädte, darunter Celle, Nienburg, Bad Essen, Einbeck, Duderstadt und Wernigerode.
Quedlinburg sticht auf der Nordroute besonders hervor, denn dort bilden mehr als 2000 Fachwerkhäuser eines der größten Flächendenkmäler Deutschlands, das zudem von der Unesco als Welterbe anerkannt wurde. Ein Rundgang durch die verwinkelten Kopfsteinpflastergassen entspricht einer Zeitreise in die vergangenen acht Jahrhunderte. Über der Stadt am Nordrand des Harzes thront Sankt Servatius. Die 1000-jährige, romanische Stiftskirche auf dem Nordberg ist das Wahrzeichen Quedlinburgs.
Ganz in der Nähe liegt Wernigerode. Bekannt ist die „Bunte Stadt am Harz“ vor allem für das mittelalterliche Rathaus und ein malerisches Schloss, von dem sich ein weitläufiger Ausblick auf das Mittelgebirge zeigt.
Zwischen den Fachwerkperlen können Reisende viele weitere Attraktionen entdecken. Zum Beispiel den Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen, das Schiffshebewerk Scharnebeck, die Dömitzer Brücke, das Steinhuder Meer, die Fagus-Werke in Alfeld sowie den Brocken im Harz.
Etappe 2: Vom Harz zum Thüringer Wald
Die zweite Etappe der Deutschen Fachwerkstraße verläuft auf 260 Kilometern Gesamtlänge überwiegend durch Thüringen – mit Abstechern nach Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die Strecke verbindet Stolberg im Norden mit Bleicherode, Leinefelde-Worbis, Mühlhausen, Bad Langensalza, Wanfried und Treffurt und Schmalkalden am südlichen Streckenende.
In den einzelnen Städten unterscheidet sich das Fachwerk teils deutlich. Durch die geografische Lage in Mitteldeutschland haben sich in einem Zeitraum von über 600 Jahren architektonische Einflüsse sowohl aus Nord- als auch aus Süddeutschland durchgesetzt.
Sehenswert sind zum Beispiel die Gassen und Häuser in der historischen Altstadt von Schmalkalden. Über der Kleinstadt im Südwesten des Thüringer Waldes wacht Schloss Wilhelmsburg, eines der bedeutendsten Denkmäler der Renaissance-Baukunst in Deutschland.
In der Klein- und Hochschulstadt Leinefelde-Worbis, wo die Flüsse Leine, Wipper, Ohne und Hahle entspringen, können Reisende das Eichsfelder Fachwerk aus der Zeit vom Barock bis Biedermeier besichtigen. Anschließend bietet sich unter anderem ein Besuch der 800 Jahre alten Burg Scharfenstein oder des Wildtiergeheges mit Bären und Wölfen an.
Nicht weniger sehenswert ist das Ensemble aus elf mittelalterlichen Kirchen, verwinkelten Gassen, urigen Bürgerhäusern und der pompösen Kirche Divi Blasii innerhalb der uralten Stadtmauer von Mühlhausen. Flankieren lässt sich die Besichtigung mit Thüringer Kulinarik – zum Beispiel im 2023 eröffneten Bratwurst-Museum.
Lohnenswert ist auch ein Abstecher nach Treffurt. Beeindruckend ist dort vor allem der Anblick des mächtigen Fachwerk-Rathauses im denkmalgeschützten Ortskern.
Etappe 3: Vom Weserbergland zum Spessart
Auf Etappe drei der Deutschen Fachwerkstraße geht es von Südniedersachsen im Zickzack weiter gen Süden durch Mitteldeutschland. Der 629 Kilometer lange Abschnitt führt durch weitläufige Wälder, malerische Flusstäler und 19 Fachwerkstädte.
Die Route startet in der von bewaldeten Hügeln umringten Stadt Hann. Münden, wo sich Fulda und Werra zur Weser vereinen und der Weser-Radfernweg beginnt, auf dem jährlich viele Tausend Menschen das idyllische Weserbergland erkunden.
Und auch auf dem nächsten Fachwerk-Zwischenstopp in Bad Sooden-Allendorf lässt sich eine Fachwerk-Tour mit Naturgenuss vereinen. Durch das friedliche Soleheilbad, das für ein rund 400 Jahre altes Gradierwerk, den Bummelboulevard Weinreihe, den „Brunnen vor dem Tore“ und das Patrizierhaus – eines der schönsten Fachwerkhäuser Deutschlands – bekannt ist, verlaufen der Werratal-Radweg, der Herkules-Wartburgweg sowie der Werra-Burgen-Steig.
In Eschwege, gelegen an der „Hessischen Schweiz“, wollen mehr als 1000 Fachwerkhäuser gesehen werden. Auch Spangenberg und das prächtige Rathaus in Melsungen sind Musterbeispiele für hessische Fachwerkkünste.
Etwas weiter südlich grüßen dann die hohen Türme der Dom- und Kaiserstadt Fritzlar. Wer das malerische Fachwerkflair in einem der Cafés am Marktplatz aufgesogen hat, kann bestens eingestimmt zu einem Spaziergang entlang der vielen Wehrtürme aufbrechen, die putzig an der historischen Stadtmauer herausragen. Fortgeführt wird die Bilderbuchromantik am Marktplatz in Homberg, das sich in die schöne Vulkanlandschaft zwischen Schwalm und Eder einbettet.
Das mittelalterliche Homberg lädt zu schönen Wanderungen ein. An der Ohm flankieren Naturfreunde vorbei an alten Mühlen, in denen selbst gekelterter Apfelwein ausgeschenkt wird. Wanderinnen und Wanderer schätzen auch den Premiumwanderweg „Sagenhaftes Schächerbachtal“. Nach der Rückkehr können Besucherinnen und Besucher entlang der schönen Baudenkmäler zum Schlossberg spazieren, von dem sich ein schöner Ausblick auf das Ohmtal zeigt.
Nach Zwischenstopps in den nicht weniger ansehnlichen Fachwerkperlen Alsfeld, Schlitz und Lauterbach endet die dritte Etappe der Fachwerkstraße schließlich in Steinau, wo die Gebrüder Grimm ihre Kindheit verbrachten. Von dort können Reisende zu einem Natur-Abenteuer im Spessart, am Vogelsberg oder in der Rhön aufbrechen.
Etappe 4: Vom Westerwald zum Main
Die vierte Etappe der Deutschen Fachwerkstraße beginnt in der Oranienstadt Dillenburg, der Wiege des niederländischen Königshauses. Zu Ehren von Wilhelm I., der 1533 in Dillenburg das Licht der Welt erblickte, wurde das Wahrzeichen der Stadt errichtet: der beeindruckende Wilhelmsturm. Von dort verläuft die Themenroute über acht weitere Stopps nach Frankfurt am Main.
Über Herborn, eine malerische Fachwerkperle im Dilltal, geht es über eine 700 Jahre alte Lahnbrücke weiter in die Altstadt von Wetzlar. Die schöne Fachwerkstadt liegt im idyllischen Lahntal – ebenso wie der folgende Luftkurort Braunfels, der für eines der schönsten Fachwerk-Ensembles in Hessen und für eine imposante Burganlage bekannt ist.
In der verwinkelten Altstadt von Limburg, dem nächsten Etappenstopp, können Fachwerkreisende ein besonderes Highlight besichtigen: den siebentürmigen St.-Georgs-Dom, der sich auf einem Felsen über der Lahn und der Altstadt erhebt.
Ein besonders schönes Fachwerkgebäude lässt sich in Idstein besichtigen: das Killingerhaus, erbaut vom gräflichen Amtsschreiber Johann Conrad Killing im Jahr 1615 am König-Adolf-Platz. Heute beherbergt es das Stadtmuseum und die Touristen-Information. Beeindruckend sind auch die Anblicke des Schiefen Hauses und des großen Hexenturms, der seit 1170 über der heutigen Altstadt wacht.
Im Taunus folgt der vorletzte Etappenstopp: der „Hessenpark“ in Neu-Anspach. In einem Freilichtmuseum mit denkmalgeschützten Fachwerkhäusern wird familienfreundlich erklärt, wie das hessische Dorfleben einst ablief. Auf der Anlage werden verloren geglaubte Pflanzenarten und Nutztierrassen gezüchtet sowie Handwerks- und Baukünste erklärt.
Die vierte Fachwerkstraßen-Etappe endet daraufhin in der denkmalgeschützten Altstadt des Frankfurter Stadtteils Höchst. Neben den schönen Fachwerkhäusern können Besucherinnen und Besucher einen barocken Palast, einen gotischen Zollturm und die karolingische Justinuskirche besichtigen.
Etappe 5: Vom Rhein zum Odenwald
Zu Beginn der fünften und 235 Kilometer langen Etappe der Deutschen Fachwerkstraße, die durch zwölf schöne Orte in Südhessen verläuft, lässt sich zunächst auf das Finale des vorherigen Abschnitts zurückblicken. Von der „Stangenpyramide“ bei Dreieich zeigt sich ein toller Ausblick auf die Skyline Frankfurts.
Bei der anschließenden Reise durch das Rhein-Main-Gebiet können Besucherinnen und Besucher zunächst die verwinkelten Altstadtgassen von Seligenstadt erkunden. Wahrzeichen der farbenfrohen Fachwerkstadt ist eine karolingische Basilika, die in der Abendsonne in warmen Farben schimmert. In Seligenstadt starten mehrere Rad- und Wanderwege, die direkt am Mainufer verlaufen.
In Dieburg können sich Fachwerkbegeisterte immer Anfang September unter Tausende Menschen mischen, die zur Wallfahrtskapelle „Mutter Gottes“ strömen.
Anschließend geht es nach Groß-Umstadt, das Portal des Odenwalds. In den Hinterhöfen der historischen Fachwerkhäuser lassen sich nicht nur das historische Flair, sondern auch der köstliche Wein, der auf den Hängen der umliegenden Weinberge gedeiht, kosten. Beim Johannisfest im Juni wird jedes Jahr auf portugiesische Art und Weise gefeiert, denn in der „Bodenwälder Weininsel“ haben sich viele Portugiesinnen und Portugiesen niedergelassen.
Ein weiteres Highlight auf der fünften Etappe ist das spätgotische Rathaus in Michelstadt. Der rund 450 Jahre alte Fachwerkbau mit abgekantetem Giebel und kleinen Erkertürmchen diente einst als Gericht. Beeindruckend ist auch der Altar der „Basilika zum Heiligen Blut“ im folgenden Etappenstopp in Walldürn.
Noch länger reicht die Geschichte des ältesten Fachwerkhauses in Miltenberg zurück. Der Bau von 1339 reiht sich in ein prächtiges Fachwerkensemble ein. In den mittelalterlichen Gassen des Schwarzviertels fühlen sich Besucherinnen und Besucher, als würden sie durch ein historisches Gemälde flanieren. Sehenswert sind vor allem der Markplatz „Schnatterloch“ und das „Gasthaus zum Riesen“ – Deutschlands älteste Fürstenherberge. Miltenberg lässt sich auch mit einem Schiff auf dem Main erreichen. Die Ankunft kündigte die historische Mildenburg, errichtet im Jahr 1200, schon aus der Ferne an.
Romantische Anblicke bieten zudem die mittelalterlichen Gassen in der früheren Residenzstadt der Grafen von Wertheim, die an der Mündung der Tauber in den Main liegt und das Ende der fünften Etappe markiert. Nach einem Rundgang entlang der vielen Baudenkmäler sowie der Stiftskirche, des Engelsbrunnen und am „Schlösschen im Hofgarten“ können Reisende von der hochgelegenen Kilianskapelle auf die Ausläufer von Spessart und Odenwald hinabblicken.
Etappe 6: Franken
Die sechste Etappe der Deutschen Fachwerkstraße beschränkt sich auf das Frankenland. Das heißt aber nicht, dass es in der Region in Bayern weniger zu erleben gäbe als auf anderen Etappen. Denn die Fachwerkstädte reihen sich in Franken ebenso aneinander wie die Weingüter, Brauereibetriebe, Biergärten und Heckenwirtschaften. Die 406 Kilometer lange Strecke führt von Ochsenfurt über 14 Zwischenstopps nach Zeil am Main.
Wer die nördlicheren Abschnitte der Deutschen Fachwerkstraße bereits kennt, wird in Franken schnell auf einen unterschiedlichen Baustil aufmerksam. Das fränkische Fachwerk ist verspielter gestaltet und mit Ornamenten wie Andreaskreuzen, Rosetten, Sonnenrädern oder Schnitzereien verziert. Das lässt sich schon beim Auftakt der sechsten Etappe in Ochsenfurt feststellen, dessen Altstadt eine restaurierte Fachwerkhaus-Zeile säumt. Das Vorzeigehaus zwischen den mittelalterlichen Stadttoren ist das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, in dessen Lanzentürmchen sich eine hübsche Figuren- und Monduhr dreht.
Ein besonders märchenhafter Anblick ist das putzige Malerwinkelhaus in Marktbreit. Das frühere Geschäftshaus und heutige Museum am Breitbach bildet mit dem benachbarten Maintor von 1600 ein verträumtes Bilderbuchensemble – ebenso wie die üppig mit Blumen geschmückten Handelshäuser am Marktplatz. Vor der Weiterfahrt empfiehlt sich ein Abstecher ins nahe gelegene Rothenburg ob der Tauber. Der malerische Ort gehört zwar nicht offiziell zur Fachwerkstraße, ist aber – sofern er nicht gerade von Busreisegruppen überlaufen wird – dennoch sehenswert.
Auf dem Weg nach Herzogenaurach lohnt sich ein Zwischenstopp in Markt Cadolzburg. Aus der kleinen Stadt ragt eine massive Hohenzollernveste mit einem vorgelagerten Marktplatz spektakulär heraus. Einen Überblick über das schöne Städtchen und die umliegenden Landschaften können sich Besucherinnen und Besucher auf dem „Bleistift“ verschaffen. Der Aussichtsturm liegt ebenfalls mitten im Ort – am Horizont lässt sich das nahe gelegene Nürnberg erahnen, das vor allem für den Christkindlesmarkt und die Frauenkirche bekannt ist.
Von Herzogenaurach geht es ein langes Stück nordwärts in den „Deutschen Burgenwinkel“. Durch den von Wäldern, Flüssen und Grünland durchzogenen Naturpark Haßberge verlaufen etliche Wanderwege, die zu insgesamt 61 Burgen, Wallanlagen und Schlössern führen. Ein zentral gelegener Startpunkt für die mittelalterlichen Naturabenteuer ist die pittoreske Altstadt im Fachwerkstädtchen Ebern.
Eine Fachwerk-Perle in Oberfranken ist das Städtchen Seßlach. Die mittelalterliche Altstadt ist vollständig von einer Stadtmauer umgeben – hinein geht’s durch drei Torwachtürme. Das urig-historische Ambiente lässt sich stilecht mit fränkischen Spezialitäten abrunden, die in den vielen Gastwirtschaften serviert werden. Dazu zählt auch das „Kommunbrauhaus“, in dem die Bürgerinnen und Bürger schon seit 1335 ihr eigenes Bier brauen dürfen – bis heute unter der Regie der Stadt. Die Braukultur ist in vielen weiteren Städten und Dörfern in Unterfranken tief verwurzelt.
In die unterfränkischen Landschaften aus Wäldern, Tälern und Hügeln nistet sich die romantische Kleinstadt Königsberg ein – einer der schönsten Orte in den Haßbergen. In der denkmalgeschützten Altstadt scheint jede Fachwerkfassade eine spannende Geschichte erzählen zu können. Spaziergänge auf dem urigen Kopfsteinpflaster entlang der malerischen Fassaden, alten Weinranken und Rosenbüsche haben einen stillen und friedlichen Zauber. Über der Stadt sitzt eine alte Burg, von der man weit über die umliegenden Landschaften blicken kann.
Nach dem letzten Zwischenstopp in Haßfurt, das für die schneeweiße Ritterkapelle in der ganzen Region bekannt ist, geht es zum Zielort von Etappe 6: Zeil am Main – der „Nahtstelle von Wein- und Bierfranken“. Die schöne Fachwerk-Altstadt wird immer im Sommer zur malerischen Kulisse für ein dreitägiges Weinfest. Biertrinkerinnen und Biertrinker zieht es dagegen in die urige Brauereigaststätte „Zur Alten Freyung“, in der die Brauerei Göller heimischen Gerstensaft ausschenkt.
Vor der Abreise sollten die Besucherinnen und Besucher noch die ein oder andere fränkische Spezialität kosten. Schäufele, Braten mit Klößen und Saurer Zipfel gehören ebenso zur fränkischen Kultur wie die urigen Fachwerkstädte.
Etappe 7: Vom Neckar zum Bodensee
Die siebte Etappe der Deutschen Fachwerkstraße ist zugleich die längste. Der Abschnitt führt auf 798 Kilometern durch Baden-Württemberg und verbindet 32 Fachwerkstädte – darunter einige der schönsten in ganz Deutschland.
Die Fachwerktour durch den Südwesten lässt sich entweder in Ladenburg bei Mannheim im Norden, in Sasbachwalden an der Grenze zu Frankreich oder in Merseburg am Bodensee starten. Von diesen Orten verlaufen die Teilstrecken sternförmig in Richtung Stuttgart. Andersherum lässt sich ein Ausflug in den Schwarzwald oder eine Städtereise, zum Beispiel nach Stuttgart oder Heidelberg, prima mit einem Roadtrip auf einer der Teilstrecken verknüpfen.
In den Fachwerkstädten Baden-Württembergs mischt sich das „fränkische“ mit dem „alemannischen Fachwerk“ aus der Zeit vom 13. bis zum 19. Jahrhundert. Die ältesten Häuser fügen sich in die idyllischen Flusstäler am Neckar ein.
In Esslingen steht unter anderem die älteste zusammenhängende Fachwerkhäuserzeile Deutschlands. Die Gebäude wurden zwischen 1328 und 1331 errichtet. Als schönstes der mehr als 200 Fachwerkhäuser in Esslingen gilt allerdings das tiefrote Rathaus von 1422 mit astronomischer Uhr am Giebel – neben der Uhrzeit weisen Sonnen- und Mondzeiger auf die Tierkreiszeichen hin. Und mit seinen gotischen Kirchen, den Häuserzeilen an Wasserkanälen und barocken Palais hat Esslingen noch jede Menge mehr fürs Auge zu bieten.
Auch in Markgröningen nördlich von Stuttgart erzählen viele Hausfassaden vom Mittelalter. Besonders ansehnlich sind die Häuser an der „Finsteren Gasse“, das Fachwerk-Ensemble mit dem Rathaus von 1441 am Marktplatz und das in gelben Farben leuchtende Museum Wimpelinhof neben einem historischen Torturm von 1555. Über die Stadtgrenzen hinaus ist Markgröningen außerdem für den jährlichen „Schäferlauf“ bekannt. Zum Volksfest, in dessen Kern traditionelle Barfußrennen über ein Stoppelfeld stehen, finden sich immer Ende August bis zu 100.000 Menschen ein.
Die „schönste Stadt von allen“ ist allerdings Calw an der Nagold – zumindest, wenn es nach Hermann Hesse geht. Über seine Geburtsstadt – „ein kleines, altes, schwäbisches Schwarzwaldstädtchen“ – war der Literaturnobelpreisträger voll des Lobes.
Das dürften viele Besucherinnen und Besucher, die an den Fachwerkfassaden am Marktplatz entlangspazieren, die steilen Treppen erklimmen und die Aussicht auf den Schwarzwald genießen, ähnlich sehen. Die Geschichte der 200 Fachwerkhäuser in Calw wird auf interessanten Stadtrundgängen erklärt. Noch mehr Mittelalterflair erleben Reisende im nahe gelegenen Kloster St. Peter und Paul, das sich auf einem Spaziergang über den Hirsauer Wiesenweg erreichen lässt.
Reichlich Postkarten-Motive verspricht auch ein Besuch von Biberach an der Riß, dessen Stadtbild von der Stadtpfarrkirche St. Martin mit ihren prunkvollen Deckenfresken und einem weißen Turm geprägt wird. Beim Spaziergang zu den schönen Patrizierhäusern auf dem Biberacher Marktplatz wandeln Besucherinnen und Besucher durch verwinkelte Gassen mit kleinen Plätzen und gemütlichen Cafés. Besonders idyllisch ist die friedliche Zunftsiedlung Weberberg. In den schönen Fachwerkhäusern aus dem 14. Jahrhundert sollen einst über 400 Webstühle gestanden haben.
Etwas weniger bekannt, dafür aber auch nicht so überlaufen, ist Bietigheim-Bissingen – auch bekannt als „Enz-Florenz“. Nach einem Rundgang durch die nahezu vollständig erhaltene Fachwerk-Altstadt, in der sich prächtige Bauten wie das Hornmoldhaus, das Schloss, das Untere Tor, die Lateinschule und das Rathaus drängen, bietet sich ein Ausflug zum historischen Viadukt an, das die Enz mit 21 Bögen imposant überspannt.
Etappe 8: Oberlausitz
Fernab der sieben anderen Routen verläuft die achte Etappe der Deutschen Fachwerkstraße durch ein historisches Baukunst-Paradies im Dreiländereck von Deutschland, Polen und Tschechien.
Die 112 Kilometer lange Rundtour durch sieben Orte in der Oberlausitz in Sachsen rückt die sogenannten Umgebindehäuser in den Fokus. Anders als beim alemannischen, fränkischen oder niedersächsischen Fachwerk legt sich das Gebälk wie ein Mantel um das massive Erdgeschoss. Dadurch entsteht der Eindruck, als seien die Obergeschosse und das Dach über die Stube gestülpt worden.
In der Oberlausitz gibt es schätzungsweise 19.000 Umgebindehäuser – nirgendwo sonst ist die historische Bauweise in solch großer Dichte erhalten. Besonders beeindruckende Beispiele für den Baustil aus dem 15. Jahrhundert sind die „Alte Mangel“ in Ebersbach-Neugersdorf, der Bulnheimsche Hof in Seifhennersdorf, der historische Faktorenhof in Eibau und das putzige Obercunnersdorfer Schunkelhaus in Kottmar.
Am besten lässt sich das historische Flair in der traditionellen Leinenweber-Region aber bei Spaziergängen durch die friedlichen Dörfer aufsaugen. In den Restaurants, Cafés und Schauwebereien kann man sich die Umgebindehäuser auch von innen anschauen.
Eine Fachwerktour durch die Oberlausitz lässt sich außerdem mit reichlich Naturgenuss verbinden. Die Wanderwege führen zum Beispiel zu den Spreequellen in Ebersbach-Neugersdorf, zur ehemaligen böhmischen Enklave „Neuleutersdorf“ bei Seifhennersdorf, in das Zittauer Gebirge bei Großschönau oder zu den urigen Wasser- und Bockwindmühlen bei Oderwitz.
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