Kalifornien: Highlights und Hidden Gems in Los Angeles
Im Zentrum ragt die Skyline in den blauen Himmel, im Süden und Westen erstreckt sich der Pazifik. Und hinter dem Häusermeer liegen die San Gabriel Mountains: Los Angeles, Vier-Millionen-Einwohner-Metropole in Kalifornien, ist Hauptstadt des Kinofilms und Traumfabrik für Menschen aus der ganzen Welt. Die Stadt ist voller Gegensätze: Stars wie Jennifer Aniston, Sandra Bullock und John Legend leben zurückgezogen in ihren prunkvollen Häusern in Beverly Hills und Bel Air, am Hollywood Boulevard hingegen buhlen Kleinkünstlerinnen und -künstler um die Aufmerksamkeit der Touristinnen und Touristen. Die ist nicht allzu leicht zu bekommen – denn in Los Angeles gibt es viele Highlights. Eine Auswahl.
100 Jahre Wahrzeichen
Schon morgens ist es heiß auf dem Weg zu der Ikone Hollywoods: Wer das Hollywood Sign, das am 8. Dezember 100 Jahre alt wird, aus der Nähe sehen will, muss einen Fußmarsch hinlegen. „Viele haben das Gefühl, sie müssten dicht herankommen, dabei ist das Zeichen eine optische Illusion“, sagt Jeff Zarrinnam, „die Buchstaben sind versetzt und zeigen in unterschiedliche Richtungen.“ Die beste Sicht aufs Wahrzeichen habe man aus zwei Kilometern Entfernung.
Zarrinnam hat aber auch gut reden: Er steht neben dem riesigen H – und klopft dagegen. Er ist Vorsitzender des Hollywood Sign Trust, der sich um den Erhalt der Buchstaben kümmert. Deshalb ist Zarrinnam einer der Menschen auf der Welt, die das Hollywoodzeichen anfassen dürfen. Das Areal ist eingezäunt, die Polizei hat 13 Kameras aufgestellt. Vom Hang aus offenbart sich die gesamte Metropole. Die Paramount Studios sind zu sehen. Auch der berühmte Sunset Boulevard ist zu erkennen, ebenso die Universal Studios. „Das alles gehört zur Seele Hollywoods – und das Schild repräsentiert das“, sagt Zarrinnam.
Doch: Diese immense Bedeutung der 15 Meter hohen Buchstaben aus Wellblech für die Filmindustrie war 1923 nicht abzusehen: Ursprünglich war das Zeichen nichts als ein Marketinggag. „Hollywoodland“ stand in beleuchteten Buchstaben am Hang. Immobilienmakler wollten so die Grundstücke im Schatten des Mount Lee anpreisen. „1944 schenkte man das Zeichen der Stadt – das H war umgekippt und das Schild ein Schandfleck geworden“, erzählt Zarrinnam.
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1949 entfernte die Stadt L. A. das „Land“ – und das Wahrzeichen entstand. Ende der 1970er-Jahre musste es komplett erneuert werden. Prominente wie Hugh Hefner und Alice Cooper stellten jeweils Schecks über 27 700 Dollar aus – so viel kostete der Bau eines Buchstabens. Zarrinnam: „Es sind nur neun Buchstaben auf einem Berg, aber sie bedeuten alles.“
Der Glamour des alten Hollywoods
Wer das alte Hollywood und das Flair von Klassikern wie „Casablanca“ oder „Vom Winde verweht“ sucht, kommt auch heute in L. A. auf seine Kosten. 1927 baute Kinobetreiber Sid Grauman am Hollywood Boulevard das Chinese Theatre – bekannt für die Handabdrücke der Stars im Boden. 1957 entstand am Boulevard der Walk of Fame, zu Ehren Prominenter sind hier Sterne in den Bürgersteig eingelassen.
Gegenüber vom Kino steht eine weitere Ikone: das Hollywood Roosevelt. Es ist das älteste durchgehend betriebene Hotel in Los Angeles; im selben Jahr wie das Chinese Theatre gebaut, von Grauman mitfinanziert. Und natürlich hat das Hotel mit seinen Vintagebars längst eigene Filmgeschichte geschrieben: Die erste Oscarverleihung fand 1929 dort statt. Szenen aus „Catch Me If You Can“ und „Beverly Hills Cop II“ entstanden hier. Shirley Temple tanzte angeblich auf den Terrakottastufen der Hoteltreppe.
Und es soll spuken im Roosevelt: Marilyn Monroe lebte zwei Jahre im Hotel, ein Fotoshooting am Pool machte sie berühmt. Doch es heißt, Monroes Gesicht sei nach ihrem Tod einer Reinigungskraft im Spiegel des Foyers erschienen.
Etwas realer ist dann die tatsächliche Gästeliste des Hollywood Roosevelts: Charlie Chaplin, Clark Gable, Ernest Hemingway, Brad Pitt, Angelina Jolie und zahlreiche weitere Stars sind hier schon untergekommen. Ob ihnen auch Geister erschienen, ist nicht überliefert.
Eine Tour hinter die Kulissen
„Manchmal gucke ich eine Serie und denke: Moment mal, das Fenster im Hintergrund kenne ich“, sagt Daniel Tuttle und lacht. Täglich führt er Besucherinnen und Besucher über das Gelände der Warner Bros. Studios, die in diesem Jahr 100 Jahre alt werden. Bei einer Tour mit ihm geht es durch die Backlots, die Bereiche hinter den Filmstudios, in denen sich sonst nur Schauspieler und Filmcrews aufhalten und drehen dürfen.
Rund 450 000 Quadratmeter groß ist das Gelände, das sich Filmstudios und Backlots teilen. „Wenn es so aussieht, als wäre etwas in New York gedreht, ist es oft hier in L.A. entstanden“, erklärt Tuttle und zeigt auf eine Hausfassade. New York Street heißt die Straße, die in den 1930er-Jahren für klassische Hollywood-Gangsterfilme mit Humphrey Bogart und James Cagney gebaut wurde. Für Dreharbeiten könnten Filmcrews über Wochen die Kulisse mieten – und so umgestalten, dass sie fast jede Großstadt der Welt darstellen kann.
„A Star Is Born“, „Blade Runner“, „Last Samurai“, der berühmte Kuss zwischen Spider-Man und Mary Jane – all das ist zumindest in Teilen auf denselben 2600 Quadratmetern entstanden. „Hier ist George Clooney langgelaufen, die Ecke hat als Krankenwageneinfahrt in ‚Emergency Room‘ gedient“, sagt Tuttle. Und das Café aus dem Filmmusical „La La Land“ sei dasselbe wie das in der mörderischen Serie „You“.
Für Film- und Serienfans folgt bei der Tour ein Aha-Moment auf den nächsten. Hinter besagtem Café befindet sich der Brunnen aus dem „Friends“-Intro, in Sichtweite folgen Haus und Garten der „Gilmore Girls“. „In Stars Hollow wird gerade gedreht, deshalb dürfen wir da nicht hin, aber im Café Central Perk aus ‚Friends‘ ist sicherlich ein Platz frei“, sagt Tuttle.
Das Fast Food der Stars
Den wohl berühmtesten Hotdog der Stadt gibt es bei Pink‘s. An ihm kommen Fast-Food-Fans nicht vorbei. 1939 gründeten die Eheleute Paul und Betty Pink die Kette, die zunächst nur eine fahrbare Bude war. Doch dann kamen die Prominenten und machten Pink‘s in Hollywood zu einem Must-see. Die Stars und Sternchen kehren immer noch bei Pink‘s ein.
Es scheint so, als würde das kleine Restaurant selbst leuchten, so bunt ist es hier. Knallpinke Sonnenschirme an der La Brea Avenue weisen deutlich den Weg zu dem Büdchen. Im Pink‘s riecht es nach Fett, Senf und Zwiebeln. „Wir Angelinos sagen, dass Pink‘s die Mutter des Fast Foods ist“, sagt Airen Long, die ihre Mittagspause hier verbringt. Die Uber-Fahrerin genießt das Treiben in dem Gebäude. „Die Schlange ist oft lang, nachts mischt sich das Partyvolk unter die Gäste hier – das ist immer ein Erlebnis“, sagt sie.
Wer im Pink‘s auf seine Bestellung wartet, bekommt vieles zu sehen. An den Wänden hängen Hunderte Bilder der Berühmtheiten, die hier schon einen Hotdog gegessen haben: Nicole Kidman, Drew Barrymore, Gloria Estefan, Snoop Dogg, Cindy Crawford, Quentin Tarantino – sie alle waren hier. Promis, die hier selbst Hotdogs zusammengestellt haben, sind auch auf der Speisekarte verewigt. So gibt es den Rosie O‘Donnell Long Island Dog oder den Martha Stewart Dog. Airen Longs Favorit ist übrigens der Ozzy Spicy Dog.
Zu Fuß durch das Venedig Amerikas
Fast fünf Kilometer lang ist der Sandstrand von Venice Beach. Skaterinnen und Skater, Bikerinnen und Biker und Rollschuhfahrende sind im Skatepark unterwegs. Maler und Musiker zeigen ihre Kunst am Straßenrand, immer wieder trägt jemand ein Surfbrett unter dem Arm.
„Die Beach Communities sind anders als der Rest von L. A.“, sagt Erik Edward Heins. Er lebt in Los Angeles – und liebt Venice Beach. Heins ist Tourguide für Bikes and Hikes LA Tours und bietet Wander- und Radtouren an. Er kennt Venice in- und auswendig. „Und ich liebe es wie am ersten Tag.“ Immerhin sei in Venice Beach nicht nur das Skateboarden und die Discokugel erfunden worden.
Venice gilt als das Epizentrum der Coolness. Hier wohnen Stars wie Robert Downey Junior – und niemand Geringerer als Arnold Schwarzenegger hat im Fitnessstudio am Strand, dem Muscle Beach, trainiert – und sich für Bodybuilding-Wettbewerbe gestählt. „Arnie kommt immer noch in Venice vorbei. Er fährt hier dann auf dem Fahrrad lang“, erzählt Heins.
Die Entstehung des Stadtteils ist genauso eine Märchengeschichte wie vieles in L. A.: 1905 gründete der Zigarettenhersteller Abbott Kinney das „Venedig von Amerika“ – seine Frau hatte Tuberkulose und konnte nicht mehr reisen. Sogar Kanäle ließ er ausheben. An ihnen stehen kleine flache Häuser.
Aber das Flair hat seinen Preis: Für einen Ein-Zimmer-Bungalow sind mehrere Millionen fällig. Prominente leben hier mit Straßenkünstlern und Hippies in einer Gemeinde. Heins: „Wenn man in Venice jemanden sieht, der so aussieht wie jemand Berühmtes, dann ist es meistens auch wirklich dieser Star.“
Tipps für deine Reise nach Los Angeles
Anreise: Mehrere Airlines bieten Direktflüge von Frankfurt am Main nach Los Angeles an – dazu gehört Lufthansa.
Einreise: Deutsche müssen mindestens 72 Stunden vor der Anreise online eine Esta-Einreisegenehmigung beantragen. Kosten: 21 US-Dollar.
Beste Reisezeit: Die beste Reisezeit für Los Angeles ist Mai bis Oktober, allerdings ist das Wetter das ganze Jahr über recht konstant. Da Los Angeles in der subtropischen Klimazone liegt, lohnen sich Besuche auch außerhalb der Kernreisezeit – die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei etwa 18 Grad.
Die Reise wurde unterstützt von LA Tourism und Lufthansa. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.
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