Zugreise

Medresen, Moscheen und Mythen: Mit dem Zug durch Zentralasien

Die beeindruckende Berglandschaft nahe des Issyk-Kul-Sees in Kirgistan ist einer der Höhepunkte bei der Fahrt mit dem Orient Silk Road Express.

Sie sind mal rund, mal eckig, mal klein, mal groß, mal hellblau wie der Himmel, mal türkis wie das Meer. Mal haben sie die Farbe dunkler Tinte, mal die von frischem Frühlingsgrün. Mal bilden sie Schriftzeichen, mal Ornamente: Tausende und Abertausende Mosaikfliesen, mit denen die drei Medresen am weltbekannten Registan-Platz in Samarkand gestaltet sind.

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Einst gingen Gelehrte und ihre Schüler in den Gebäuden ein und aus – schließlich galt vor allem die Ulugbek-Medrese an der Westseite des Platzes, die zwischen 1417 und 1420 erbaut wurde, als eine der angesehensten Universitäten der muslimischen Welt. Längst sind die ehemaligen Lehr- und Wohnräume zu Geschäften geworden.

Die Ulugbek-Medrese am Registan-Platz in Samarkand ist im Inneren so prächtig wie von außen.

Mosaikfliesen werden auch in den Medresen hergestellt

Seidenstoffe und Schals, Teppiche, Teller und natürlich auch Mosaikfliesen sind hier erhältlich – zum Beispiel bei Ikram Alimov. Der 40-Jährige ist Töpfer. Seine Familie arbeitet schon seit sieben Generationen in der Medrese. „Wir haben auch an dem Gebäude mitgewirkt“, erzählt der 40-Jährige nicht ohne Stolz. Und er erklärt gern, wie aufwendig es ist, die Mosaikfliesen herzustellen, die auch an den drei Medresen überall zu sehen sind.

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Töpfer Ikram Alimov fertigt in der Ulugbek-Medrese Fliesen – in siebter Generation.

Kalligraf fertigt kleine Kunstwerke

Direkt nebenan hat ein weiterer Handwerker seinen Arbeitsplatz. Abdujalil Umar ist Kalligraf – wie schon sein Vater und sein Urgroßvater vor ihm. Mit spitz geschliffenen Bambusstäben macht er Schriftzeichen zu kleinen Kunstwerken. „Dafür benutze ich meist Samarkander Papier, das aus Maulbeerholz hergestellt wird“, berichtet er. Am liebsten aber schreibe er auf Leder – vor allem von Ziege oder Hammel. In den vergangenen zehn Jahren hat der 63-Jährige vier Korane abgeschrieben. Zwei davon liegen heute in Museen in Taschkent und Samarkand.

Kalligraf Abdujalil Umar macht in der Ulugbek-Medrese Schriftzeichen zu kleinen Kunstwerken.

Im ersten Stock Tee und Kaffee genießen

Ein paar Meter weiter erfahren Interessierte in einer Ausstellung alles über die „Geschichte der Bildung in Samarkand“. In einem der kleinen Geschäfte daneben befindet sich ein Treppenaufgang zum ersten Stock. Bei einem Kaffee oder Tee hat man von den kleinen Balkonen den besten Blick auf das Geschehen im mit Bäumen bepflanzten Innenhof. Zu lange sollte man hier aber nicht verweilen. Schließlich gibt es auch in den beiden anderen Medresen noch jede Menge zu sehen.

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In der Sherdor-Medrese direkt gegenüber zum Beispiel lohnt sich ein Besuch bei Bobir Sharipov. Der Instrumentenbauer fertigt traditionelle Instrumente wie die Nay, eine Flöte aus Nussbaumholz, oder Saiteninstrumente wie die Tambur oder die Rubab. Und er gibt gern eine Kostprobe seines musikalischen Könnens.

Bobir Sharipov stellt traditionelle Instrumente her und gibt in seinem kleinen Geschäft in der Sherdor-Medrese eine Kostprobe von ihrem Klang.

Die Tilla-Kori-Medrese an der Nordseite des Platzes ist bekannt für ihre prächtige Moschee. Die große türkisfarbene Kuppel ist schon von Weitem zu sehen. Doch die eigentliche Pracht zeigt sich im Inneren: Der Hauptsaal ist reich vergoldet. Hier wird er lebendig – der Traum von 1001 Nacht.

Registan ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten

Kein Wunder, dass der Registan als einer der prächtigsten Plätze Zentralasiens und eine der wichtigsten Attraktionen in Usbekistan gilt. Nach dem Besuch fällt es nicht mehr schwer, sich vorzustellen, wie es gewesen sein muss, als die Händler noch mit ihren Karawanen auf der Seidenstraße zwischen Orient und Okzident unterwegs waren.

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Auf ihren Spuren lohnt sich in dem zentralasiatischen Land auch ein Besuch in Buchara, Chiwa und der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Selbstverständlich gehören die geschichtsträchtigen Orte deshalb auch zu den Stopps des Sonderzuges Orient Silk Road Express.

Der Orient Silk Road Express fährt in Zentralasien durch Usbekistan, Kirgistan und Kasachstan – nach Tadschikistan geht es mit dem Bus.

Zu Fuß über die Grenze nach Tadschikistan

Bevor es von Samarkand aus weitergeht, ist die Stadt bei dieser Reise für die Passagierinnen und Passagiere auch Ausgangspunkt für einen besonderen Ausflug. Nur eine etwa 40-minütige Busfahrt entfernt liegt die Grenze zu Tadschikistan. Der Bus muss allerdings an der Grenze zurückbleiben. Es würde zu lange dauern, alle Formalitäten zu erledigen, damit er mitgenommen werden dürfe, erklärt Guide Ali Burkhanov. Also geht es zu Fuß von Usbekistan nach Tadschikistan. Eine Ausreise, eine Einreise, vier Passkontrollen und zwei Stempel im Pass später öffnen sich die großen Eisentore, vor denen zahlreiche Menschen darauf warten, dass die Grenzer sie durchlassen.

Dahinter stehen schon mehrere Kleinbusse, mit denen es nach Pendschikent geht. Das wird gern als Pompeji Asiens bezeichnet, zeigt aber, dass solche Vergleiche manchmal vielleicht zu schnell gezogen werden. Die Erdhügel und das kleine, zugehörige Ein-Raum-Museum werden vermutlich keine Erinnerung, die sich für immer ins Reisegedächtnis der Besucherinnen und Besucher einbrennt.

Sieben Seen liegen im Hissargebirge

Ganz anders die Tour zu den Sieben Seen, die anschließend im Programm steht. Einer Legende zufolge entstanden die Bergseen im Hissargebirge durch die sieben Töchter eines Hirten, der sich hier verirrte. Sie konnten ihren Vater nicht finden und begannen zu weinen. Ihre Tränen füllten die Täler und erschufen so die Seen, in denen die traurigen Töchter in ihrer Verzweiflung ertranken. Die Seen zeigen ihre Schönheit und Vielfalt.

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Die Sieben Seen im Hissargebirge sind ein Naturhighlight in Tadschikistan.

Mal türkis und mal tiefblau schimmern die Seen in der Sonne – nicht weniger prächtig als die Mosaike am Registan-Platz. Die Fahrt durch die engen Täler und auf schmalen, staubigen Straßen, die sich an den schroffen Bergen hinaufzuschrauben scheinen, führt immer wieder durch kleine Dörfer, vorbei an Bauern, die auf Feldern ihre Arbeit verrichten, und an Kühen und Schafen, die in der Landschaft grasen.

Im Hissargebirge leben die Menschen oft in Häusern aus Holz und Lehm.

Zugreise ist sehr speziell

Nach dem Ausflug ins Nachbarland geht es an Bord des Orient Silk Road Express weiter in Richtung Kasachstan und Kirgistan. „Für viele ist das eine sehr außergewöhnliche Reise“, sagt Chefreiseleiterin Anke Rüsch – und meint damit nicht nur den Besuch in den zentralasiatischen Ländern, die 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit erklärten. „Zugreisen sind speziell. Man muss sich zurücknehmen können, man muss zurückstecken können“, sagt die 70-Jährige, die seit mehr als 40 Jahren im Tourismus arbeitet, und lange als Lektorin und Kreuzfahrtdirektorin auf Schiffen weltweit unterwegs war.

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Chefreiseleiterin Anke Rüsch hat mehr als 40 Jahre Erfahrung.

Stimmt, denn schließlich hat die Mehrheit der Mitreisenden nicht die großzügigen Sultan- oder Kalif-Kabinen mit eigenem Bad gebucht, sondern die kleineren Kabinen der Kategorie Aladin und Ali Baba. Die Betten sind gerade mal 67 Zentimeter breit. Dazwischen ragt ein Klapptischchen in den eher engen Raum. Es gibt nur sehr wenig Platz, um etwas zu verstauen. Wer duschen will, muss sich in einen Plan eintragen, um ein Zeitfenster zu reservieren.

Bei einer Seidenstraßenreise im Orient Silk Road Express sind die meisten Passagierinnen und Passagiere in den Zwei-Personen-Kabinen der Kategorie Aladin (Bild) oder Ali Baba unterwegs.

Wer sich mit den Gegebenheiten arrangiert hat, genießt die kleinen Annehmlichkeiten, die das Zugleben auf dem Weg durch Zentralasien dennoch mit sich bringt. Dafür sorgen die Schaffnerinnen und Schaffner. Bei der Rückkehr nach dem Frühstück ist das Bett bereits gemacht, während des Abendessens bereiten sie es für die Nacht vor. Darf es ein Glas frisch gebrühter Tee sein? Auch das gehört zum Service. Und der ist auch in den beiden Speisewagen immer freundlich.

Die größten Teile der Strecke legt der Zug nachts zurück. Am Tag sehen die Passagierinnen und Passagiere viel weites Grasland und baumlose Steppen. Häufig sind hier Hirten mit ihren Ziegenherden unterwegs. Immer wieder passiert der Zug kleine Dörfer, aber auch Gegenden mit entlegenen, einsamen Häuschen. Mal geht es an einer Kamelherde vorbei – dann wieder an Pferden, die durch die Landschaft traben. In Usbekistan sind viele Baumwollfelder zu sehen, auf denen Frauen die weißen Büschel von den Zweigen ernten. Und immer wieder Maulbeerbäume – deren Blätter für die Seidenproduktion noch heute eine wichtige Rolle spielen.

In der Landschaft, die an den Zugfenstern vorbeizieht, sind häufig Hirten mit ihren Herden unterwegs.
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Vorträge per Bordradio

Während die fremde Welt vor dem Zugfenster vorbeizieht, überträgt die Chefreiseleiterin per Bordradio interessante und lehrreiche Vorträge in die Kabinen der Passagierinnen und Passagiere. Anke Rüsch referiert unter anderem über die Seidenstraße, den Islam in Zentralasien oder die nächsten Ziele der Reise – zum Beispiel Kasachstan.

Die Grenzüberquerung steht nachts auf dem Reiseprogramm. An einem kleinen Bahnhof des neuntgrößten Staates der Welt kommen die Grenzbeamten an Bord. Nach einem kurzen Klopfen tritt ein ernst dreinblickender Grenzer in Militäruniform in die Kabine. Er wirft einen Blick auf den Pass, steckt ihn dann in das große metallene Lesegerät, dass er mitgebracht hat, um die Reisenden zu registrieren und zu fotografieren, und tippt mit ernster Miene etwas auf der Tastatur.

Grenzkontrolle in der Nacht

„Welcome to Kasachstan“, sagt er schließlich und auf seinem kantigen Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. Er verabschiedet sich mit einem Nicken und verlässt das Abteil. Tür zu, Licht aus und schnell wieder ins Bett. Doch ein paar Minuten später öffnet sich die Tür plötzlich erneut. Eine schwarze Hundeschnauze schiebt sich zwischen den Betten ins Abteil. Die Spürnase verschwindet so schnell, wie sie gekommen ist. Allerdings war sie nicht der letzte Besucher. Kurz darauf klopft es noch einmal. „Bag Check (Gepäckkontrolle)“, sagt der nächste Grenzer, der das Abteil betritt, lässt einen prüfenden Blick über die Koffer gleiten und schon schließt er wieder die Tür hinter sich.

Der Besuch des Ahmed-Yesevi-Mausoleums ist einer der Höhepunkte in Turkestan.
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Nach einem Besuch in Turkestan mit dem berühmten Ahmed-Yesevi-Mausoleum und bevor es zum Ziel der Reise, der modernen kasachischen Metropole Almaty, geht, fährt der Zug nach Kirgistan. In der Hauptstadt Bischkek bekommen Reisende auf dem Osh-Markt einen guten Eindruck vom Alltagsleben der Kirgisinnen und Kirgisen. Für viele ist aber vor allem die Fahrt zum Issyk-Kul-See ein Höhepunkt der Zugreise. Für die Strecke durch die Berge werden extra zwei Panoramawagen angehängt.

Die Fahrt durch das Himmelsgebirge in Kirgistan erleben die meisten Passagierinnen und Passagiere in den extra angehängten Panoramawagen.

Der zweitgrößte Gebirgssee der Welt liegt im Tianshan-Gebirge. Das Himmelsgebirge mit den schneebedeckten Gipfeln gilt nicht ohne Grund als spektakulärste Bergregion Zentralasiens. Einfach sagenhaft, diese Seidenstraße!

Tipps für deine Reise durch Zentralasien

Anreise: Per Flugzeug über Istanbul nach Taschkent in Usbekistan.

Einreise: Deutsche benötigen für einen Aufenthalt von bis zu 30 Tagen kein Visum. Der Reisepass muss zum Zeitpunkt der Reise noch mindestens drei Monate lang gültig sein.

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Beste Reisezeit: Für Reisen nach Zentralasien eignen sich vor allem die Monate März bis Mai sowie September bis November. Dann sind die Temperaturen am gemäßigten.

Die Zugreise: Der Berliner Veranstalter Lernidee Erlebnisreisen hat den Sonderzug Orient Silk Road Express exklusiv gechartert und bietet zehn- bis 15-tägige Reisen in der Region an. Die 15-tägige Reise „Die sagenhafte Seidenstraße von West nach Ost“ von Usbekistan über Tadschikistan nach Kirgistan und Kasachstan ist ab 4550 Euro pro Person buchbar (inklusive Flug ab/bis Deutschland).

Die Reise wurde unterstützt von Lernidee Erlebnisreisen. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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