Kalifornien

Palm Springs: Hollywood in der Wüste

Palm Springs, das grüne Band in der Wüste: Die Palmen vor den mächtigen Bergen sind nicht nur Namensgeber, sie zeugen auch von der Fruchtbarkeit der kalifornischen Wüstenoase.

Vielleicht ist es der Jetlag. Vielleicht aber auch einfach diese atemberaubende Schönheit, die einen jeden Morgen kurz vor Sonnenaufgang aus dem Hotelbett treibt. Wenn die Sonne über die Berge steigt und das Coachella Valley in dieses besondere Licht taucht – und die Häuser in Palm Springs mit ihren Pools und Palmen so hollywoodgleich inszeniert, als bewege man sich durch ein 50er-Jahre-Movie.

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Beliebtes Ziel von Stars und Sternchen

Kein Wunder, dass Palm Springs bis heute das Image bedient, beliebtester Vorort Hollywoods zu sein – trotz der zwei Autostunden, die Los Angeles entfernt liegt. Stars wie Grace Kelly, Frank Sinatra und sein Rat Pack und natürlich auch Marilyn Monroe suchten hier Zuflucht vor dem Trubel Hollywoods. Sonny Bono, der mit „I Got You Babe“ und Cher an seiner Seite in den Achtzigerjahren berühmt wurde, war kurz Bürgermeister von Palm Springs. Brad Pitt und Angelina Jolie kamen ebenfalls gern regelmäßig, als sie noch als Brangelina durch die Klatschspalten geisterten.

Ohne all diese Stars und Geschichten wäre Palm Springs heute möglicherweise nur eine von der kalifornischen Sonne ziemlich gut ausgeleuchtete Stadt inmitten der Colorado-Wüste.

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Rund um die Palm Springs gibt es mehr als 100 Wanderwege, von denen sich auch atemberaubende Ausblicke auf das grüne Tal bieten.

Das Licht war es auch, das in den 1930er-Jahren den Schweizer Architekten Albert Frey so sehr faszinierte, dass er nach einem ersten Auftrag in Palm Springs blieb, um zu experimentieren. Frey, der zuvor mit Le Corbusier gearbeitet hatte und die Bauhaus-Doktrin von der Form, die der Funktion stets zu folgen hat, zum Inbegriff seiner Arbeit gemacht hatte, wollte wissen, wie man das Licht, das morgens über die mächtigen Berge fällt, so nutzen kann, dass es zu einem stil- und formgebenden Element wird.

Ein Jahr lang studierte der Schweizer in Palm Springs den Einfall der Sonnenstrahlen, bevor er sich an die ersten Pläne für sein eigenes Haus in den Bergen von Palm Springs machte. Das thront noch heute denkmalgeschützt und wie ein Adlerhorst über der mondänen Kleinstadt– und zieht jährlich Tausende Architekturfans an.

Desert Modernism: Klare Linie und Formen

Frey gilt als Vater des sogenannten Desert Modernism und keine andere Stadt hätte ihm eine bessere Bühne für seine Arbeiten bieten können. Die minimalistischen Mid-Century-Flachbauten mit ihren klaren Linien und Formen reihen sich hier mittlerweile aneinander. Das Licht und die Landschaft im Valley inspirierten die Architekten, die Frey folgten, große Glasfronten einzusetzen, die den Eindruck vermittelten, man lebe im Freien. Eine Stadt wie aus dem Bauhauskatalog.

Unter Architekturliebhabern ist Palm Springs vor allem bekannt für ihre Villen im Mid-Century-Stil.
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„Die 20er und 30er, das waren die goldenen Jahre von Palm Springs. Damals wurden die meisten dieser exklusiven Häuser gebaut“, erzählt David Dixon, während er in einem sehr US-amerikanischen und sehr überdimensionierten weißen Ford vorbei an der berühmten Gasstation mit ihrem ebenfalls überdimensionierten Flügeldach steuert. Die ist heute Tourismuszentrale und wurde – natürlich – auch von Frey gebaut.

Architekturfestival lockt jährlich Tausende Fans

Dixon ist Creative Manager der Modernism Week von Palm Springs. Während dieses elftägigen Architekturfestivals pilgern jedes Jahr Tausende Architekturfans in die Stadt, um die Häuser der berühmt gewordenen Modernisten einmal live zu sehen. Palm Springs, sagt Dixon, das sei ein bisschen wie ein Open-Air-Museum für Architekturfans.

Der Architekt E. Stewart Williams beispielsweise entwarf hier das Haus von Frank Sinatra, das etwas außerhalb der Stadt liegt. Vorteil für Sinatra: Anders als im 100 Meilen entfernten Los Angeles konnte er in Palm Springs seinen Privatflieger direkt vor der Haustür landen. Der Pool bekam die Form eines Pianos und immer wenn Sinatra in der Stadt weilte, hisste er die Jack-Daniels-Flagge, damit seine Kumpels aus der Nachbarschaft wussten, wo sie ihren Sundowner trinken konnten – an der Poolbar von „The Voice“.

Eine kleine Straße Richtung Berghang hinauf kommen wir nach Little Tuscany, eines der teuersten Viertel von Palm Springs. Hier verbrachte Elvis Presley seine Flitterwochen. Die Hochzeit in Palm Springs fiel ins Wasser, weil eine benachbarte Klatschjournalistin zu gut recherchiert hatte. Elvis und Priscilla flogen nach Las Vegas, um zu heiraten, und kehrten zurück nach Palm Springs, um hier in Little Tuscany ihre Flitterwochen zu verbringen. Natürlich nicht irgendwo, sondern in einem futuristischen Hideaway, das der Architekt William Kriesel 1960 entworfen hatte. Kein Haus, vielmehr ein Designobjekt.

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Die Häuser in Palm Springs lassen sich auch gut bei Touren mit dem Fahrrad erkunden.

Airbnb von Leonardo DiCaprio

Dixon zeigt nach links aus dem Fenster – ein Flachdachbungalow. Natürlich. Von außen unscheinbar, diskret. Und trotz der berühmten Namen, die hier leben, ohne hohe Mauern. „Hier könnt ihr Airbnb im Haus von Leonardo DiCaprio machen“, sagt Dixon lachend und fügt an: „Aber du kannst dir genauso gut ein Auto für eine Nacht kaufen und darin schlafen.“

So viel zu den Preisen der Häuser, die regelmäßig für mehrere Millionen Dollar ihre Besitzer im Valley wechseln und für Menschen wie DiCaprio in der Regel höchstens Feriendomizil oder Sammler- und Anlageobjekt sind. „Leonardo kauft Häuser wie andere Kunst“, lernen wir noch. Dann geht die Sonne langsam hinter den Gipfeln der schneebedeckten Bernardino-Berge unter. Glamouröser könnte auch Hollywood diese Stadt nicht in Szene setzen.

Viele Kunstgalerien und Interiorgeschäfte

Palm Springs mit seinen rund 45.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist so etwas wie die Cocktailparty unter den Städten. Wer in Little Tuscany lebt, der könnte sich wahrscheinlich auch 365 Tage Urlaub im Jahr leisten. Downtown reihen sich Kunstgalerien aneinander. In den Interieurgeschäften findet man Passendes für das Millionenobjekt. Und die Hotels sind so retro und instagrammable, dass die Stadt längst nicht nur von designinteressierten Millionärinnen und Millionären, sondern auch von modernen Millennials zum Hotspot erklärt worden ist.

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Coachella Festival lockt viele Promis

Die kommen entweder, um ihre Social-Media-Feeds mit neuen Bildern zu füttern, oder zum Coachella Festival, einem der weltgrößten Musikfestivals mit Hippieflair, Riesenrad und hoher Promidichte. Das Coachella, heißt es, sei mittlerweile mehr Modewoche als Musikfestival. Aber auch das passt zu Palm Springs. Schließlich dreht sich hier am Ende alles irgendwie um Schönheit. Sei es die Ästhetik des kalifornischen Lichts – oder die einzigartige Landschaft, die die Stadt umgibt.

Das Coachella Festival im April mit Hippieflair und Riesenrad lockt jedes Jahr auch viele Prominente nach Greater Palm Springs.

Mit Führer in die Wüste

20 Autominuten entfernt wartet Marv Tjalme auf uns. Wir wollen zur San-Andreas-Verwerfung. Der 71-Jährige ist ein Outdoor-Typ, der eigentlich aus Michigan kommt. Doch das Leben unter der Sonne Kaliforniens, sagt er, das halte einfach fitter. Tjalme führt täglich Touristen in die Wüste. Und zwar genau dorthin, wo die pazifische Platte auf die nordamerikanische stößt. Wobei stoßen eigentlich das falsche Wort ist.

Die Platten reiben sich aneinander. Immer wieder, bis die Erde bebt. Das passiert zum Glück in den meisten Fällen so, dass es keiner merkt. Tektonik nennt man das. Mit der Folge, dass Los Angeles und San Francisco jedes Jahr sechs Zentimeter aufeinander zuwandern. „In zehn Millionen Jahren werden sie auf einer Linie liegen“, sagt Tjalme.

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Marv Tjalme führt Touristen in das Gebiet der San-Andreas-Verwerfung.

Unser Ausflug in dieses zerklüftete, 80 Meilen lange Labyrinth aus Gestein beginnt in Tjalmes offenem, rotem Geländewagen. Es geht vorbei an kleinen Oasen mit Palmen und Bächen und über holprige Wüstenstraßen. Eine Mondlandschaft aus Felsschluchten, die so eng sind, dass man fürchtet: Sollte sich hier irgendeine Platte noch einen Zentimeter weiter verschieben, stürzt das ganze Ensemble aus verschiedenen Gesteinsschichten in sich zusammen. Eine unwirkliche, lebensfeindliche Gegend, könnte man meinen. Doch schon vor 2.000 Jahren wusste das indigene Volk der Cahuilla die Wüste mit ihren fruchtbaren Oasen und Wasserquellen für sich zu nutzen. Es war der Anfang von Palm Springs.

Tipps für deine Reise nach Palm Springs

Anreise: Per Direktflug von Frankfurt am Main nach San Francisco. Von dort aus gibt es Anschlussflüge nach Palm Springs. Die Alternative: per Flug nach Los Angeles und dann circa zwei Stunden weiter mit dem Mietwagen nach Palm Springs.

Einreise: Deutsche müssen mindestens 72 Stunden vor der Anreise online eine Esta-Einreisegenehmigung beantragen. Kosten: 21 US-Dollar.

Beste Reisezeit: In den Sommermonaten kann es extrem heiß in Palm Springs werden. Als beste Urlaubszeit gelten das Frühjahr und der Herbst. Auch im Winter liegen die Durchschnittstemperaturen bei mehr als 20 Grad Celsius, jedoch können die Nächste dann noch sehr kühl sein. Im April ist es bereits sommerlich warm.

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Unterkünfte: Es gibt eine Vielzahl von Hotels in allen Preisklassen sowie etliche Airbnbs.

Veranstaltungen: Modernism Week: Die Modernism Week ist ein jährlich im Februar stattfindendes elftägiges Festival für Architekturfans. Dann öffnen viele Hausbesitzerinnen und -besitzer ihre Anwesen für Besucherinnen und Besucher.

Coachella Festival: Das Coachella Festival findet jährlich im April an zwei aufeinander folgenden Wochenenden mit identischem Programm statt. Tickets sind weit im Vorfeld ausverkauft.

Attraktionen: Dreistündige Guided Jeep Tour in die Wüste und zur San-Andreas-Verwerfung, umgerechnet etwa 134 Euro für Erwachsene, 124 Euro für Kinder.

Palm Springs mit dem E-Bike erkunden: E-Bike-Touren durch Palm Springs und zum Andreas Canyon Trail, vier Stunden ab etwa 109 Euro.

Die Reise wurde unterstützt von Visit Greater Palm Springs. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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