Manzambi glänzt, Diomande enttäuscht: das Fazit der WM-Fahrer aus der Bundesliga
Hannover. 109 Spieler stellte die Bundesliga bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 – die meisten nach der englischen Premier League. Im WM-Finale (vor Redaktionsschluss noch nicht beendet) steht allerdings nur noch ein Spieler aus der höchsten deutschen Spielklasse: Der Argentinier Exequiel Palacios von Bayer Leverkusen. Die deutsche Mannschaft mit den meisten Bundesligaprofis war bereits nach dem Sechzehntelfinale raus und hat versagt. Aber wie hat der Rest der Kicker abgeschnitten, die in Deutschland ihr Geld verdienen?
Daumen hoch: Torjäger und Vorlagenkönige aus München
Johan Manzambi: Das muss man erst einmal schaffen: Drei Tore schoss der Schweizer Nationalspieler und legte zwei weitere Treffer auf – und das in nur 200 Spielminuten. Die französische Zeitschrift „L’Équipe“ verglich den dynamischen Mittelfeldspieler mit dem jungen Franck Ribéry. Der 20-Jährige hat sich vollends ins Rampenlicht gespielt. Premier-League-Klub Aston Villa hat sich die Dienste des Schweizers gesichert und rund 70 Millionen Euro in den Breisgau überwiesen. Rekordverkauf des SC Freiburg. Kein Wunder bei der Leistung.
Harry Kane: Englands Torversicherung lieferte – zumindest bis zum Viertelfinale. Sechs Treffer steuerte er für die „Three Lions“ bei, Platz fünf in der Torjägerliste. Sein unermüdlicher Einsatz war ebenfalls bemerkenswert. Für den ganz großen Wurf reichte es allerdings nicht.
Michael Olise: Der Franzose hat zwar kein Tor erzielt, dafür aber sieben Treffer aufgelegt – so viel wie kein anderer im Turnier. Damit hat der Bayern-Star den bisherigen Rekord der brasilianischen Legende Pelé (6) gebrochen. Der 24 Jahre alte Olise wird mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Sein Marktwert beträgt 150 Millionen Euro. Die Bayern sollen nicht an einem Verkauf in diesem Sommer interessiert sein.
Antonio Nusa: In einer teilweise etwas hüftsteifen norwegischen Mannschaft war der 21 Jahre alte Leipziger ein belebendes Element. Mit seiner Wendigkeit ließ er den Gegner ein ums andere Mal stehen. So wie bei seinem Tor gegen die Elfenbeinküste im Sechzehntelfinale, als er auf der linken Außenbahn nach innen zog und mit einem wunderschönen Schlenzer zum 1:0 traf. Wenn der 21-Jährige nach der Sommerpause in seine sportliche Heimat bei RB Leipzig zurückkehrt, kann er seinen Teamkollegen vom norwegischen WM-Märchen erzählen, in dem gerudert, geschlenzt und gefeiert wurde.
Daumen mittig: Österreich überrascht niemanden
Exequiel Palacios: Der Leverkusener macht es wie bei der WM 2022. Palacios ist bei den Erfolgen Argentiniens eher Nebendarsteller. Ein Spiel bestritt er, als aushelfender Rechtsverteidiger gegen Jordanien. Nun könnte Palacios zum zweiten Weltmeister werden, vermutlich von der Bank aus. Es gibt Schlechteres, das geht aber auch noch besser.
Luis Díaz: Seine Mannschaftskollegen haben ihn immer wieder gesucht – gefunden haben sie ihn zu selten. Ein Tor gegen Usbekistan sprang am Ende der WM für Kolumbiens Luis Diaz heraus. Dazu stand der Münchner gleich neunmal im Abseits – keinem passierte dies öfter im Turnier. Dennoch zeigte er sich als Anführer. Im Elfmeterschießen gegen die Schweiz verwandelte der Münchner vom Punkt. Am knappen Ausscheiden seiner Mannschaft konnte er nichts mehr ändern.
Konrad Laimer: Auf seiner Lieblingsposition im Mittelfeld war Laimer während der WM einer der österreichischen Anführer. Mit seinem Team gewann der Münchner gegen Jordanien, spielte Unentschieden gegen Algerien und verlor gegen Argentinien und Spanien. Will heißen: Laimer und die Österreicher zeigten das Erwartete – aber auch nicht mehr.
Bilal El Khannouss: Der Marokkaner war Dauerbrenner, kam in jedem Spiel zum Einsatz. Dabei zeigte der 22-Jährige, wie fein er mit dem Ball umgehen und dem Spiel kreative Momente verleihen kann. Am Ende gelang ihm weder ein Treffer noch ein Assist. Auch im Elfmeterschießen gegen die Niederlande konnte der Stuttgarter keine Verantwortung übernehmen – er wurde vorher ausgewechselt. Etwas sinnbildlich für El Khannouss, dem viel gelang – ein Tor aber nicht.
Daumen runter: Die Shootingstars enttäuschen
Luka Vušković: Wie ein abgeklärter Abwehrchef präsentierte sich der 19-Jährige vergangene Saison beim HSV. Beim WM-Turnier war davon wenig zu sehen. Nach etwa 60 Minuten musste der Kroate im ersten Gruppenspiel gegen England beim Stand von 2:3 raus. Danach war ihm keine einzige Minute mehr vergönnt. Da war mehr drin.
Jarrel Quansah: Der 23-Jährige rückte in Englands zweitem Gruppenspiel für den verletzten Reece James in die Startelf, musste dann selbst angeschlagen raus. Gegen Mexiko sah er wegen eines groben Fouls die Rote Karte und wurde für das Viertel- und Halbfinale gesperrt. Ein Turnier zum Vergessen für den Spieler von Bayer Leverkusen.
Yan Diomande: Vor der WM wurde viel erwartet vom 19 Jahre alten Leipziger. Dribbelkünste und Tempo deutete er nicht zuletzt gegen Joshua Kimmich im zweiten Gruppenspiel gegen Deutschland an. Nur eine Vorlage im gesamten Turnier war dann aber doch zu wenig. Er schied mit der Elfenbeinküste bereits im Sechzehntelfinale gegen Norwegen aus, eine Turnierüberraschung wurde Diomande nicht.