Wenig entscheidende Tore nach Ecken

Die WM gegen den Standardtrend

Das einzige Standardtor in den WM-Viertelfinals: Alexis Mac Allister köpft Argentinien gegen die Schweiz in Führung.

Hannover. Der Rückblick tut noch immer weh: Deutschland ist bei der Fußball-WM im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ausgeschieden. Die DFB-Elf spielte schwach, wäre aber mit etwas mehr Schiedsrichter-Glück wohl in die Runde der letzten 16 eingezogen. Denn das Kopfballtor von Jonathan Tah nach einer Ecke von Nathaniel Brown in der 102. Minute zum vermeintlichen 2:1 hätte bei vielen Unparteiischen wohl gezählt – zu schwach war der Einsatz von Waldemar Anton gegen Torhüter Orlando Gill in der Entstehung des Treffers. Doch Schiedsrichter Jalal Jayed nahm das Tor nach VAR-Intervention zurück. Der Rest ist bekannt.

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Ein Eckball hätte Deutschland also beinahe zum Weiterkommen verholfen. Viel war vor dem Turnier in Nordamerika gesprochen worden über die (neue) Wichtigkeit von Standardsituationen. Der FC Arsenal zum Beispiel, frisch gebackener Premier-League-Champion, erzielte 19 Tore in der Meistersaison allein nach Eckbällen – neuer Rekord in England. Und ein Vorbild für die WM?

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Der mittlerweile zurückgetretene Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte vor dem Turnier: „Die Anzahl an Standardtoren ist ja eh schon extrem und ich befürchte, dass sie auch noch höher wird.“ Aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen bei der WM „kann ein Standardtor“ noch eher ein „Dosenöffner“ sein als ein Treffer aus dem Spiel heraus, sagte Nagelsmann vorausblickend.

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17 Tore nach Ecken in den ersten 48 Spielen

Mit der prophezeiten Hitze hatten und haben die Mannschaften tatsächlich jede Menge zu tun beim Turnier in Nordamerika. Die Rolle der Standardsituationen aber ist längst nicht so entscheidend wie angenommen.

Eckbälle waren zwar in der Gruppenphase von größerer Bedeutung als noch beim Turnier 2022 in Katar. Nach 48 Gruppenspielen, bei der XXL-WM 2026 also nach zwei Spieltagen (bei den vorigen Ausgaben waren bis dahin schon alle Gruppenpartien absolviert), fielen 17 Tore im Anschluss an eine Ecke. 2022 waren es gerade mal neun. Ein Trend ist dadurch aber nicht zu erkennen. Denn 2014 resultierten nach 48 WM-Partien 19 Tore aus einer Ecke, 2018 waren es 18.

Zidane einst mit zwei Toren nach Ecken im WM-Finale

In der K.-o.-Runde hätte eine Ecke Deutschland beinahe zum Weiterkommen verholfen. Die Argentinier profitierten im Sechzehntelfinale von einem ruhenden Ball, als sie gegen Kap Verde in der 111. Minute das Siegtor erzielten. Ansonsten sind Standards eher selten der Schlüssel zum Erfolg, auch weil Elfmeter so häufig verschossen werden wie nie zuvor bei einer WM. In den Viertelfinals zum Beispiel fiel nur eines der zwölf Tore nach einer Standardsituation.

Ecke, Kopfball, Tor: 1998 spielten Standards in einem WM-Finale eine besondere Rolle. Zinedine Zidane erzielte beim 3:0 gegen Brasilien gleich zwei Treffer per Kopf nach Ecke.
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In den Halbfinals spielten die ruhenden Bälle eine etwas größere Rolle. Spanien traf gegen Frankreich per Elfmeter zum 1:0. Argentiniens Ausgleich resultierte aus einer Ecke.

Das klassische Kopfballtor nach Eckball oder einem Freistoß, wie es dem FC Arsenal in der vergangenen Saison so oft zum Sieg verhalf, war bislang nur selten der Schlüssel. Da bewegt sich die WM gegen den Trend. Und dennoch ist der ruhende Ball immer mal wieder mitentscheidend. Womöglich auch im Endspiel zwischen Spanien und Argentinien.

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