Schufa gibt alte Scores an Banken weiter
Deutschlands größte Kreditauskunftei Schufa speichert Daten von Verbrauchern bis zu zehn Jahre lang. Das räumt die Schufa in Reaktion auf eine Recherche von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ ein. Die alten Scores werden demnach an Banken, Versicherungen und andere Unternehmen weitergegeben, damit diese mit ihnen Berechnungen für ihr Risikomanagement durchführen können.
Worum geht es genau?
Normalerweise muss die Schufa alte Daten nach spätestens drei Jahren löschen. Wer also einen negativen Schufa-Eintrag bekommt, weil er Schulden nicht beglichen hat, ist spätestens drei Jahre nach Abgeltung dieser Schulden wieder ohne negative Vermerke. Menschen, die vor Jahren mal Zahlungsschwierigkeiten hatten, können heute also trotzdem einen sehr guten Schufa-Score erreichen. Das ist im sogenannten Code of Conduct vereinbart, den die verschiedenen Wirtschaftsauskunfteien mit den Datenschutz-Aufsichtsbehörden vereinbart haben.
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Zur vollständigen AnsichtJetzt wurde bekannt, dass die Schufa alte Daten von bis zu 68 Millionen Menschen bis zu zehn Jahre lang speichert und die überholten Scores an ihre Kunden weiterleitet, damit diese ihre Bewertungsmethoden prüfen können.
Verbraucher fühlen sich getäuscht und sorgen sich, dass ihnen alte Schulden in Zukunft zum Beispiel bei einer Kreditvergabe zum Verhängnis werden könnten.
Wofür verwendet die Schufa die alten Daten denn?
Die Schufa sagt, ihre Kunden – also etwa Banken, Versicherungen, Telekommunikationsanbieter oder Vermieter – dürfen die alten Scores nicht für aktuelle Anfragen nutzen. Banken dürfen also zum Beispiel niemandem einen Kredit verweigern, weil er früher mal eine schlechte Bonitätsbewertung hatte.
Dennoch leitet die Schufa alte Scores an die Unternehmen weiter, und zwar, damit diese die Zuverlässigkeit überprüfen können. Das wurde offenbar vor allem durch die Einführung des neuen Schufa-Scores im März dieses Jahres nötig.
Laut der Schufa gehen die Unternehmen beim sogenannten Backtesting der Frage nach: Wenn es früher schon den neuen Score gegeben hätte, hätte er richtig gelegen? Dazu teilt das Unternehmen der Schufa mit, zu welcher Person und auf welches Datum sie den neuen Score zurückgerechnet haben möchte. Dann gleicht das Unternehmen ab: Wie war der Score – und wie war unsere Erfahrung mit dem Kunden wirklich? Im Falle einer Bank also: Hat jemand mit einem sehr guten Schufa-Score einen Kredit wirklich pünktlich abbezahlt?
Was hat die Bafin damit zu tun?
Die Schufa legt es so aus, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), von Banken Tests mit alten Bonitätsdaten verlangt.
Richtig ist: Die Bafin hat strenge Vorgaben, an die sich Banken halten müssen. Darunter fällt auch ein „angemessenes Risikomanagement“ und die Validierung von Scoring-Modellen. Dass dabei Tests mit alten Verbraucherdaten gemacht werden müssen, ist aber nicht formuliert.
Die Bafin teilt vielmehr mit: „Banken müssen bei der Wahl ihrer Verfahren und Methoden stets auch darauf achten, dass gesetzliche Vorschriften außerhalb des Aufsichtsrechts eingehalten werden. Dies schließt gesetzliche Anforderungen ein, die den Datenschutz gewährleisten sollen.“ Alles Weitere müssten Einzelfallprüfungen klären.
Können Verbraucher ihre alten Daten löschen lassen?
Nein. Die Schufa ist überzeugt, dass sie ein berechtigtes Interesse am Speichern dieser alten Daten hat. Insofern räumt sie Verbrauchern auch kein Recht auf Löschung ein. Es ist aber möglich, dass Verbraucher einer Verarbeitung ihrer persönlichen Daten durch die Schufa per se widersprechen. Da viele Unternehmen den Schufa-Score aber abrufen, bevor sie ein Vertragsverhältnis mit einem Kunden eingehen, könnte ein genereller Widerspruch dazu führen, dass gar kein Vertrag zustande kommt.